Druckschrift 
3 (1846) [Cal - Deu]
Entstehung
Seite
664
Einzelbild herunterladen
 

664

Dänemark.

so weit die Ergebnisse der neuesten Zählung bisher bekannt wurden, sich in den letzten 20Jahren bedeutend vermehrt hat. Die Ostsee bildet zwischen der dänischen Insel Seelandeine Meerenge, der Sund oder Öresund genannt, eine zweite zwischen den InselnSeeland und Fühnen, den großen Belt, eine dritte, den kleinen Belt, zwi-schen Fühnen und Jütland. Durch diese Meerengen wie durch den Kattegat, einengroßen Meerbusen zwischen Jütland und Schweden, hängt dieselbe mit der Nordsee zu-sammen. An großen Flüssen fehlt es dem Königreiche, höchstens ist derGuden zu er-wähnen, der, in Jütland entspringend, durch den Skanderborgersee fließt und unterhalbRanders in den Kattegat fällt. In Jütland ist die Meerenge Lymfiord bemerkens-werth, in Seeland der große Arreste, eigentlich eine Bucht von dem Busen Jsefiord,von welchem sie nur durch eine Sandbank geschieden ist. Das Land ist ohne Gebirge, dochfehlt es nicht an sanften Hügeln. Eine Ausnahme macht die Insel Island, welche ber-gig und felsig ist. Hier finden sich schroffe Eisberge und Felsen mit schauerlichen Schluch-ten , desgleichen mit Morästen abwechselnd. Hier ist auch das Land der Vulkane. Diebemeckenswerthesten sind: der Hekla, 4300 Fuß hoch, der Krabla, der Lechrukr.Als Gletscher sind ausgezeichnet: der Snäfell-Jokul, 4558 Fuß hoch, und der Eyasialla-Jokul, 5500 Fuß. Die Farö er-Jnseln bestehen aus Felsen, welche nur etwa eineElle tief mit Erde bedeckt sind. Island ausgenommen, wo scharfe Kälte herrscht, istdas Klima in Dänemark sehr gelinde, aber feucht und Orkane sind sehr häufig. Die vor-züglichsten Produkte sind Pferde, Rindvieh, Schaafe, Schweine, Wildpret, zahmesund wildes Geflügel, Fische, Austern, Krebse und Hummer. Die Bienenzucht liefertguten Honig. Das Land erzeugt für eignen und zum Theil für ausländischen Bedarf diegewöhnlichen Getreidearten, Hülsenfrüchte, Flachs, Hanf, Rübsaamen und Kartoffeln.Das Obst geräth nicht immer und die Waldungen reichen für den Bedarf nicht zu. VonMineralien finden sich blos Kalk, Kreide, Traß,Torf und Feuersteine. Island, demdes Klimas wegen das Getreide fehlt, liefert dagegen einen großen Reichthum von Fischenund unter den Geflügelarten die Eidergans. Auch ist diese Insel reicher an seltnem Mine-ralien, z. B. Lava, Bimstein, Schwefel, Vitriol, Alaun und Surtarbrand, ein vonErdpech geschwängertes Holz, das man theils zum Verbrennen benutzt, theils zu Tassenund Tellern verarbeitet, welche eine schöne Politur annehmen.

Dänemark ist kein Fabrikstaat Und die Bemühungen der Regierung, es auf künstli-chem Wege dazu zu machen, waren bisher nur von geringem Erfolge. Die meisten Fa-briken befinden sich noch in Kopenhagen; sie liefern besonders grobe und feine Tücher, des-gleichen Wollen- und Baumwollenzeug, Strümpfe und Leinwand. Zahlreich sind dieBranntweinbrennereien und Zuckerraffinerien, weniger beträchtlich die Metallfabriken.Schifffahrt und Handel, welche sich bis nach Ostindien, China, Westindien und Afrikaausdehnen, haben gleichwohl in der Residenz in neuester Zeit abgenommen. Man schätztdie Zabl der Handelsschiffe auf 2500.

Durch Nichts muß der Blick des dänischen Patrioten mehr getrübt werden, als wennsich derselbe auf den Zustand der vaterländischen Finanzen richtet. Vielleicht wird eine ge-drängte Uebersicht der dänischen Geschichte dazu beitragen können, diesen Zustand einiger-maßen erklärlich zu machen, wie denn überhaupt ohne historische Unterlage der gegenwär-tige politisch.intellektuelle Standpunkt des Volkes nicht wohl begreiflich sein würde.

Der Stamm der Dänen wie der übrigen skandinavischen Völker ist unstreitigdeutsch; manche ursprüngliche deutsche Sitte hat sich bei ihnen noch jetzt vollständiger alsbei ihren südlicher« Nachbarn erhalten und die Abneigung gegen die Letztem, welche in ge-wissen Zeiträumen sich kund gab und noch gegenwärtig nicht erloschen ist, läßt sich nurdurch frühere Verhältnisse, durch langwierige blutige Kriege und durch den Gegensatz, dersich allmälig zwischen zwei Völkern, von denen das eine durch klimatische Hemmungenlängere Zeit hinter dem andern zurückblieb, bilden mußte, erklären. Dänemarks Geschichtetritt erst kurz vor und nach dem Zeitalter Karl's des Großen aus dem Nebel der Vorzeitdeutlicher hervor; zwar war schon im 6. Jahrhundert die Landschaft Angelsachsen zwi-schen dem flensburger Meere und der Schlei dänisch geworden; aber die darauf folgendenJahrhunderte gehören wieder mehr oder weniger dem Sagenkreise an. Heftig war der An-