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Friedrich der Zweite.
stände ließen die Sache jedoch nicht so weit kommen. Indessen ward Friedrich zu Küstrinstrenge eingesperrt. Sein Gefängniß war ohne Möbeln; er mußte auf dem Fußbodenschlafen und erhielt Abends kein Licht. Nur eine Bibel und ein Gebetbuch dursten ihmgereicht werden, und sein täglicher Unterhalt sollte nicht über 4 Groschen kosten. Friedrichwollte sich vor seinem Vater, der so verfuhr, nicht beugen. Erst als man ihm die Folgen,welche sein Starrsinn für Mutter und Schwester Hervorbringen müßte, ans Herz legte,verstand er sich dazu, bittend an den König zu schreiben. Es geschah dies Mitte November1730, nachdem er seit dem 5. September zu Küstrin eingekerkert war. Hierauf ward derKronprinz aus dem engen Gefängnisse entlassen, ohne sich jedoch aus der Stadt entfernenzu dürfen. Er sollte hier als Privatmann leben, sich mit der Domänenverwaltung be-kannt machen, täglich auf der Domänenkammer arbeiten und seinen Platz unter dem jüng-sten Rathe nehmen. Zugleich mußte er einen Eid ablegen: niemals irgend Diejenigen esentgelten zu lassen, von denen er nur vermuthen könne, daß sie gegen ihn gehandelt hätten;sich nie dem Gehorsame des Königs zu entziehen, in der Furcht Gottes zu leben und diePflichten der Religion zu erfüllen und endlich, keine andere Prinzessin zu heirathen, als dieihm der Vater bestimmen werde. — Weiter wurde ihm verboten, etwas Anderes zulesen als Kammersachen (und religiöse Schriften), besonders streng ward ihm aber unter-sagt, französisch zu sprechen.
Friedrich fand sich in die Verhältnisse. Er arbeitete fleißig und erwarb sich vieleKenntnisse in der Verwaltung.—Endlich, nach Ablaufeines Jahres, im November 1731,fand die Versöhnung des Kronprinzen mit seinem Vater und im Juli 1733 des ElfterenVermählung mit der von dem Könige für ihn auserwählten Prinzessin Elisabeths Christin«von Braunschweig-Baiern statt. Ein Jahr später stand Friedrich an der Spitze eines preu-ßischen Regiments einige Monate lang bei der von dem alten Prinzen Eugen geleiteten Be-lagerung von Philippsburg.
Im August 1736 begann das wahrhaft philosophische Leben Friedrich's in dem freund-lichen R h e i n s b e kg. Inmitten einer, wenigstens für das an die Sandflächen der MarkBrandenburg gewöhnte Auge, reizenden Gegend, umgeben von einer Anzahl eben so wissen-schaftlich gebildeter als lebensfroher Männer; dabei in der Fülle der Jugendkraft und freivon allen bedeutenden Sorgen, erlangte der Geist des Kronprinzen hier in den ernsten Wis-senschaften wie in den schönen Künsten jene Reife, deren Entwickelung und Anwendung imwirklichen Leben man bald zu bewundern bekam. Das Gemüth, noch mehr aber der Ver-stand, bildete sich trefflich aus. Abwechselnd beschäftigte sich Friedrich mit den neuerenfranzösischen und den alten griechischen und römischen Classikern (in französischen Ueber-setzungen); mit dem ernsten Studium von Wolfs Metaphysik, die ihm der edle vonSuhm (der geliebte Diaphan) ins Französische übersetzte, und mit der philosophisch heite-ren, fast eben so oft auf praktische Lebensweisheit als auf poetische Schöpfungen gerichtetenCorrespondenz mit Voltaire. Von den Theorieen der Kriegswissenschaft und dem wirkli-chen Manövriren seines Regiments wendete er sich zur munteren Gesellschaft seiner geistrei-chen Genossen und Gäste, eines Jordan, Kaiserling, Fouque, Chassot, Knobelsdorf u. A.— In der glücklichen Epoche von Rheinsberg verfaßte Friedrich auch verschiedene seiner hi-storischen Schriften und den bekannten Anti - Macchiavelli. Den Geist des Letzteren faßteer falsch auf: hierfür noch zu jugendlich, strebte er zu sehr nach Aufstellung Effect hervor-bringender Sätze; — allein seine Schrift beurkundet, ungeachtet dieser entschiedenen Män-gel, einen eben so klaren Verstand als redlichen Willen; ein Durchdrungensein von solchenPrincipien, die man aus dem Munde eines Prinzen zu Vernehmenibis dahin nicht gewöhntwar, von Principien, an die man in Deutschland kaum dachte. „Wenn es Unrecht ist",sagt ec in der Vorrede, „die reine Gesinnung eines Privatmannes zu corrumpiren, der nurgeringen Einfluß auf das Ganze ausübt, so ist es um so schädlicher, Fürsten zu verderben, dieVölker beherrschen, Recht und Gerechtigkeit üben, ihren Unterthanen Muster und durchihre Güte, Seelengröße und Mildthätigkeit lebendige Ebenbilder der Gottheit sein sollen.Die Plagen des Himmels dauern nur kurze Zeit, verwüsten nur einzelne Gegenden undlassen sich wieder gut machen; aber die Verbrechen der Könige bringen weit längere Leiden,und dies zwar über ganze Nationen. Wie unglücklich ist der Zustand der Völker, die von