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Friedrich der Zweite.
Adel, die Geistlichkeit immer Mittel, denselben zu ihrem Vortheile zu leiten. Die Straf-gesetzgebung trug noch durchgehends den Stempel mittelalterlicher Barbarei an sich, unddas Volk sah sich überdies oft den willkürlichsten Bestrafungen und Bedrückungenausgesetzt.
— Was nun den politischen Zustand Preußens insbesondere betrifft, so war dieseserst durch Friedrich Wilhelm, den sogenannten großen Kurfürsten, aus der Reihe derganz unbedeutenden Staaten emporgebracht worden. — Dessen Nachfolger, Friedrich I-,ein selbst von seinem Enkel (Friedrich II.) als eitel und verschwenderisch geschilderter Fürst,verschaffte sich im Jahre 1701 die Königswürde. Dessen Sohn, Friedrich Wilhelm I.(Vater Friedrich's II.), bestieg im Jahre 1713 den Thron. Er war einfach und sparsam(die Ausgaben für die königliche Hofhaltung setzte er auf 93 Thaler täglich fest). Dagegenhatte er eine besondere Liebhaberei an großen Soldaten und hierfür scheute er keine Ausgabe,wie er denn überhaupt für das Militärwesen so gränzenlos übertrieben eingenommen war,daß man ihn den „Corporal unter den Königen" nannte. Er wollte Ordnung und guteVerwaltung, suchte dieselbe aber auf despotische Weise herzustellen. An edler Geistes-bildung gebrach es ihm durchaus; ihn ergötzten die Unterhaltung seines sogenannten Tabaks-collegiums, die Zoten des Hanswurstes und die Witze der Puppenkvmödie. Alles Fran-zösische, insbesondere das französische Theater, war ihm zuwider und er duldete keines derletztem zu Berlin. — Gebildeter als er war seine Gemahlin, Sophie Dorothea,Tochter des Königs Georg l. von England, mit welcher er aufsehr einfachem Fuße lebte.
— Karl Friedrich, der nachmalige König Friedrich II., wurde am 24. Januar1712 zu Berlin geboren. Seine Erziehung leitete, bis zum siebenten Jahre seines Alters,eine Madame Duval, die bejahrte Wittwe eines französischen Ob cisten de Rocoules, welchein das jugendliche Gemüth Achtung vor der französischen Nation, Vorliebe zu derenSprache einpsianzte. Spater ward Duhan de Jandun, der Nachkomme einer Familie,die in Folge der Widerrufung des Edicts von Nantes Frankreich verlassen hatte, zum Hof-meister des jungen Kronprinzen ernannt. Duhan scheint zwar kein besonderes ausgezeich-netes Talent besessen zu haben, doch ward er von seinem Zöglinge sehr geliebt. Der Unter-richt beschrankte sich auf wenige Dinge: französische Literatur, Geschichte, Mathematikund Kriegswissenschaft, Philosophie (wenn man es so nennen darf!) und — ganz beson-ders — Religionsunterricht, letztererauf die alte pedantisch-mystische Weise, ohne Rück-sicht auf Vernunft, einzuprägen gesucht, wobei das Auswendiglernen von Bibelstellenu. dgl. als gewöhnliches Strafmittel diente und wobei der den Unterricht erlheilendeHofprediger und der alte König sich um die Wette zu überbieten suchten. Eine Unter-weisung im Lateinischen ward kaum versucht.
Nachdem Friedrich das fünfzehnte Lebensjahr zucückgelegt hatte, hielt der Vater seineBildung für vollendet. Jetzt sollte er nur Soldat sein, worauf schon von der frühen Kind-heit an hingewirkt worden war. Glücklicher Weise hatte Friedrich in der Königin einevernünftig denkende, für edlere Bildung leicht zu gewinnend« Mutter. Sie ließ ihn heim-lich auf der Flöte unterrichten und, dem rauhen väterlichen Willen zum Trotze, beschäftigtesich der Kronprinzweitmehrmit Musik und sranzosischerLiteratur als mit dem Militärwesen.Oftmals ward der jähzornige König so sehr darüber entrüstet, daß er seinen Sohn mit Stößenund Schlägen zwingen wollte, dem väterlichen Befehle sich zu unterwerfen; nicht selten hörteman ihn ausrufen: „Der Petitmaitre wird einmal Alles verderben!" Von dieser Ansichtgeleitet, suchte er den Kronprinzen zu nöthigen, dem Thronfolgerechte zu Gunsten seinesjüngeren Bruders zu entsagen. Doch mit Bestimmtheit erklärte Friedrich, er wolle sich eherden Kopf abschlagen lassen, als dem Könige in seinen ungerechten Forderungen nachgeben!Und als man wiederholt in ihn drang, sprach er sich bereit zu jenem Schritte aus, wenn derKönig in einem förmlichen Manifeste erklären wolle, daß er ihn darum von der Thronfolgeausschließe, weil er nicht des Königs rechtmäßiger Sohn sei — eine Bedingung, zu der sichFriedrich Wilhelm um keinen Preis von der Welt verstanden haben würde.
Indessen fand die gereizte Stimmung des Gebieters stets frische Nahrung. Besondersließen es sich der Minister Grumbkow und der österreichische Gesandte Seckendorf angelegensein, dieselbe zu unterhalten. Am Schlimmsten gestalteten sich die Dinge, als die Königin ihre