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5 (1847) [Fou - Gir]
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Friedrich der Zweite.

thum; Land und Leute waren nur seinetwegen durch Gottes Gnade geschaffen. Nicht derFürst selbst, sondern das V o lk war es stets, das dessen Launen büßen mußte. Hundert-tausend Menschen in Kriegen niederzumetzeln, eine unendlich größere Zahl in das tiefsteElend zu stürzen, zwanzig Provinzen zu verwüsten und zu entvölkern, um eine einzige zugewinnen dies waren ganz gewöhnliche Erscheinungen, und unter Ludwig dem Vier-zehnten von Frankreich, Peter von Rußland und Karl dem Zehnten von Schweden moch-ten wohl gar Manche glauben, die großen Herren könnten ihre Namen nicht glanzenderals auf solche Weise verewigen.

Kein Wunder, daß unter diesen Verhältnissen auch an den kleineren, namentlich denmeisten deutschen Höfen der verdorbenste Geist herrschte. Despotische Selbstregierereineben Matressen- oder Beichtvatergeboten; Verschwendungssucht, um es dem vielgeprie-senen Ludwig XIV. möglichst gleichzuthun; Verkäuflichkeit des Rechts wie der öffent-lichen Aemter und Würden; Gewaltthaten aller Art, und dabei die geistlosen Gemeinheitender Hofnarren dies Grundcharaktere des damaligen Herrscherthums. Die Presse,die öffentliche Meinung waren freilich, nach unseren Begriffen, nicht eigentlich geknebeltzu nennen; aber (ein noch unendlich größeres Uebel!) es gab so zu sagen gar keine öffent-liche Meinung; es siel fast gar Niemandem ein, die Presse zu gebrauchen; man meintebeinahe, es müsse so sein, wie es sei; man dachte nicht einmal daran, daß auch einAnderes möglich wäre.

Dabei die kastenartige Trennung der Gelehrten vom Volke. Man schrieb (inDeutschland) nicht in der Muttersprache, die ja auch der Gemeine hätte verstehen können,sondern in gelehrt aussehendem, der Menge nicht zugänglichem (Mönchs-) Latein. Hier-aus entsprang ein doppeltes Uebel: das Volk ward in Unwissenheit gehalten, und das ge-lehrte Wissen, von allem volksthümlichen Einflüsse, aller nationalen Rückwirkung ab-geschlossen, bekam eine durchaus falsche, total unfruchtbare Richtung. Auch siel es wohlkaum irgend einem Menschen ein, von einem Gelehrten damaliger Zeit nicht die größteUnwissenheit in allen jenen Kenntnissen vorauszusetzen, welche dem Menschen und demStaatsbürger, nach seinen mannigfachen, nichtgelehrten Verhältnissen, fast unentbehrlichsind. Sonach kein Wunder, daß Volksschulen, Volksschriften und Journale nichtallgemein verbreitet, oft äußerst selten und von der allererbärmlichsten Art; daß Anstaltenzur Bildung von Künstlern, Geschäftsleuten, überhaupt von tüchtigen Bürgern, vielfachgar nicht vorhanden waren; daß man allenthalben noch Gespenster sah, Hexen verbrannteund, um in einem andern Leben die Hölle zu vermeiden, sich dieselbe in diesem frei-willig schuf.

Zeder neue, freiere Gedanke, auf den etwa einer der Männer des Wissens kommenmochte, ward durch die Kastenvorurtheile in der Regel wieder niedergedrückt, da er, unterden obwaltenden Verhältnissen, im Volke keine Stütze finden konnte. Darum unnützeSpeculationen, lächerliches Schulgezank und bittere Streitigkeiten, wodurch sich ganz be-sonders die Geistlichkeit auszeichnete. Kein Philosoph durfte es wagen, theologische Lehr-sätze in Frage zu stellen; er mußte vielmehr seine Philosophie den kirchlichen Behauptungenanzupassen suchen, wie dann auch der Philolog, der Geschichtsforscher es als besondere Auf-gabe anzusehen hatte, die abweichenden Worte der Bibel, die anders scheinenden Ereignissedamit hübsch in Uebereinstimmung zu bringen. Der berühmte Thomasius, der so vielzur Verdrängung der Hexenprocesse gethan und der erste deutsche Universitätsprofessor war,welcher eine gelehrte Abhandlung (ein Jahresprogramm) in seiner Muttersprache geschrie-ben, mußte sein Vaterland verlassen, da seine Feinde einen Verhaftsbefehl zu Dresdengegen ihn ausgewickt hatten. Der für seine Zeit ausgezeichnete Philosoph Wolf, vonden Pietisten verdächtigt, erhielt vom Vater Friedrich'« II-, wegen seiner vermeintlich ge-fährlichen Lehren, den Befehl,bei Strafe des Stranges" innerhalb 24 Stunden seinenWohnort (Halle) zu verlassen. Was die päpstlichen Bullen und die Concilienbeschlüsseden Katholiken, waren die Aussprüche Luther's und Calvin's, die augsburgische Confes-sio« und die Concordimformel den Protestanten: Lehrsätze, deren absolute Richtigkeit Nie-mand ungestraft bezweifeln durfte.

Der Rechtsgang war in allen Landern schleppend. Dabei fanden die Großen, der