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5 (1847) [Fou - Gir]
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Frieden, Friedensschlüffe.

Werk der diplomatischen Laune auseinander. Als daher nach langer Verhandlung di«Trennung Belgiens von Holland anerkannt wurde, war dies nur die Anerkennung einerThatsache des Völkerlebens selbst, die sich ohne das Ja oder Nein der europäischen Diplo-matie aus eigenster Nothwendigkeit durchgesetzt hatte. Anders war es bei Krakau. Dorthatte weder Volk noch Regierung die drei Schutzmächte um den Gnadenstoß der Po-litik angefleht; es geschah vielmehr ohne ihren Willen und ohne ihre Zustimmung, daßdie unter dem Schirm der europäischen Verträge für unabhängig erklärte Demokratie miteinem Federstriche vernichtet würde. Jetzt ließen sich aus Großbritannien und Frankreichdie heftigsten Stimmen d«x Erbitterung über den Bruch der Verträge von 1815 hören.Aber zugleich jubelte man, daß fortan auch Frankreich nicht mehr gebunden sei; und in derNaivetät der ersten indiscreten Offenbarungen war nicht blos von einer Herstellung derFestungswerke von Hüningen die Rede, sondern sogar von einer Wiedereinverleibung derRepublik Genf mit dem französischen Reiche. Mit wahrem und sehr erklärlichemSchmerze hatte man in den Demokcatieen der Schweiz das unglückliche und Unglückweissagende Schicksal der Schwesterrepublik Krakau ausgenommen und hörte nun mitErstaunen von Frankreich her den Grundsatz einer neuen Moral verkünden, wonach esfür zweckmäßig erklärt wurde, den Schalten des Hingerichteten Freistaates etwa damit zusühnen, daß man auch einem seiner Freunde und Verwandten den Kopf abschlüge.

Es war den westlichen Cabineten kein Ernst mit ihrer zur Schau getragenen Theilnahmeam Sein oder Nichtsein des kleinen polnischen Freistaats. Wider die Anschuldigungen, dieselbst in den öffentlichen Blättern ihrer Minister gegen die nördlichen Mächte geschleudertwurden, erhob sich bald die Gegenanklage, daß man so gut im Hotel des Eapucins alsin London das Krakau bevorstehende Schicksal schon vor der endlichen Abfassung desTodesurtheils gekannt habe. Wer mag daran zweifeln? Man war indessen in Frank-reich und England der öffentlichen Meinung eine Genugthuung schuldig, die zugleich zurBeschwichtigung dienen sollte. Protestationen aus den Cabineten von St. James und ausdem der Tuilerien wurden erlassen. Die französische Staatsklugheit wollte die Gelegenheitnicht vorübergehen lassen, den in der spanischen Heirathssache gespielten Handstreich ver-gessen zu machen. Der britische Minister des Auswärtigen wies die freundlich dargeboteneHand zurück, und England wollte von keiner gemeinschaftlichen Protestation mit Frank-reich wissen. Nun verkünden aber triumphirende Stimmen aus England, daß dieses nureine sehr schwache Verwahrung eingegeben, wohl aber das französische Cabinet dahin ge-bracht habe, sich den nordischen Mächten gegenüber zucompromittiren." Also eineEscamoterie" gegen die andere! Und die Vernichtung Polens, der tragische Ernst einesblutigen Dramas sollte mit der Pointe eines dürftigen Epigramms endigen, mit dem arm-seligen Salonscherze eines beleidigten Ministers im diplomatischen Puppenspiele? Nichtdoch! Die Geschichte spielt wohl zuweilen mit Marionetten, aber nicht diese mit der Ge-schichte; und durch allen theatralischen Lärm hindurch hat sich doch eine ernste Wahrheittiefer als jemals in die Herzen der Völker eingegraben. Wenn schon vor Jahrzehnten einberühmter Geschichtschreiber den Ausspruch that, die Vorsehung habe die ZerstücklungPolens zugelassen, um die Moral der Großen zu zeigen; so sind es nun die Leiter der altenund veralteten Cabinetspolitik selbst, es sind die Minister an der Spitze der Geschäfte undihre anerkannten Organe, die in gegenseitiger Anschuldigung das Wörterbuch der Ma-jestätsbeleidigungen bereichert, die mit ihren Erklärungen den Bankbruch der öffentlichenMoral auch öffentlich verkündet haben.

Schon verhallt wieder der Schwall leerer Worte und thatloser Drohungen, und diezur gewöhnlichen Zeitungswaare gewordenen Deklamationen über das Verhängniß desletzten Ueberrestes einer großen Nation werden kaum noch Monate lang die Gelüste müßigerLeser sättigen. Der Friede ist also auch jetzt nicht unterbrochen, ja seine Erhaltung nichteinmal ernstlich bedroht worden. Was ist es aber, was jetzt und bei früheren Verwicklun-gen das Schwert in der Scheide zurückgehalten hat? Es ist da und dort die Furcht vordem eigenen Volke, zumal vor der proletarischen Masse. Aber dieselbe Furcht, die jetztnoch den Frieden erhält, kann den Krieg unvermeidlich machen. Jahre der Noch undTheuerung sind für einen großen Theil Europas gekommen, das in drei Jahrzehnten des