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den können. Das weibliche Geschlecht theilt er in Vestalinnen, Gattinnen, Demoi-sellen oder Halbdamen und Galanten. Der dem Fourierismus gemachte Vorwurf,daß er es auf Zerstörung der Familienbande abgesehen habe, ist also keineswegs unge-gründet. Der Jrrthum aber, in den er verfallen ist, beruht, wie bei einem Theilder Communisten, auf einer unvollständigen Würdigung der Individualität; da geradeauf den höheren Culturstufen jede blos bedingte und theilweise Hingebung in derLiebe als verwerflich erscheint und sich also die Monogamie als die den ganzenMenschen wesentlich befriedigende Form der geschlechtlichen Verbindungen darstellt.(S. „Communis mus.") Indessen muß bemerkt werden, daß Fourier selbstdie Verbreitung seiner Meinungen über den geschlechtlichen Verkehr fallen ließ, frei-lich nur darum, weil sie für die jetzige Gesellschaft allzu anstößig seien; und daß seineSchüler keine Gelegenheit versäumen, um gegen jede Behauptung, daß es ihnen umeine Vernichtung der bestehenden familienrechtlichen Verhältnisse gelte, ernstliche Ver-wahrung einzulegen.
Fourier ist scharf und wahr in der Beurtheilung der jetzigen Zwangsehe, ohnedurchweg die rechten Mittel zur Beseitigung des Uebels vorgeschlagen zu haben.Aehnliches gilt von seiner Kritik unsers gegenwärtigen Erziehungswesens, mit seinereinseitig vorherrschenden Tendenz zur Unterdrückung der Neigungen und Triebe, wo-durch so oft die jugendliche Spannkraft gebrochen, der Charakter verdreht und Lügeund Heuchelei erzeugt werden. Aber auch hierin setzt er nur eine Einseitigkeit deranderen entgegen. In der Voraussetzung, daß er in seiner Phalanx der harmo-nisch en Entwickelung aller Triebe den geeigneten Spielraum zugemessen habe, bestehtseine Erziehung wesentlich nur im Gewährenlassen aller jugendlichen Neigungen undLeidenschaften. Allein die jugendlichen Triebe entwickeln sich oft unbemerkt und un-beachtet; und wenn sie für Andere erkennbar hervortreten, haben sie nicht selten schoneine Richtung und Starke erlangt, daß ihre fernere ungezügelte Aeußerung nur zumVerderben für den Einzelnen und zum Schaden für die Gesellschaft ausfallen würde.In diesem Falle folgen denn auch Eltern und Erzieher nur ihrem menschlich na-türlichen Triebe, indem sie den Aeußerungen jugendlicher Gelüste und Leidenschaf-ten, die sie als verderblich erkennen müssen, hemmend und strafend entgegentreten.Stets wird es also ein vergebliches Bemühen sowohl in der Erziehung als imStaat« und in der Gesetzgebung bleiben, ein System der Repression nur durch einSystem der Prävention ersetzen zu wollen: das eine und das andere müssen sich viel-mehr je nach den wechselnden Umständen ergänzen.
Das ist der große und nicht hoch genug anzuschlagende Vorzug der Lehre Fou-rier's, daß sie entschiedener als je zuvor auf die unermeßlichen Vortheile der com-binirten Production so wie der Verschmelzung und Versöhnung der noch zur Zeitwiderstreitenden Interessen aller Glieder und Classen der Gesellschaft aufmerksamgemacht hat. Auch läßt sich nicht die Möglichkeit bestreiten, daß in der Formder vorgeschlagenen ländlichen und städtischen Phalangen (s. den vorstehenden Arti-kel) Tausende und Millionen die Befriedigung ihrer wichtigsten Interessen zu findenvermöchten. Ist doch auch in der Phalanx dem Bedürfnisse und dem Recht des Ein-zelnen, sich abzusondern von den anderen Gliedern der Gesellschaft, um für sich zuleben, zu schaffen und zu genießen, wenigstens einigermaßen Rechnung getragen.Gleichwohl muß man im Namen der Freiheit, die in den mannigfachsten Weisen sichausprägt, gegen jede im Voraus fertige Form des gesellschaftlichen Lebens Verwah-rung einlegen. Nicht alle Charaktere, nicht alle Neigungen, Triebe und Fähig-keiten würden in solchen Phalangen Befriedigung und Ausbildung finden. Und nichtblos die Fähigkeiten und Neigungen sind an sich unermeßlich verschieden; auch dieäußere Natur ist es und tritt, mit all ihren räumlich und zeitlich wechselnden Er-scheinungen, in stets veränderte und veränderliche Verhältnisse und Beziehungen zumMenschen und seiner Lust des Schaffens und Genießens. Im vielfach durchschnittenenBoden, in Alpenländern, in waldigen Gebirgsgegenden, auch in ausgedehnten Weide-bezirken und überall, wo sich die Menschen über größere Räume zerstreuen und ver«