Von schriftl. und mündl. Unterricht. 197
! bey die Meinungen der besten Critiker in Ansehung
! mancher verdächtigen Stellen verschieden bleiben. Giebk
^ endlich keine einzige Leseart einen erträglichen Sinn, sowerden Aenderungen des Textes vorgeschlagen. Wermit Glück dergleichen Eonjekturen versuchen will, mustmit d»n obengenannten Kenntnissen und Scharfsinn^ ausgerüstet seyn, sich lange in diesen Geschäften geübthaben, und dabey die gehörige Behutsamkeit besitzen,j damit er nicht ohne Noch den Text verändert.
j Um den gehörigen Nutzen aus der Lektüre zu zie«
hen, ist nöthig, daß man mit den Regeln der A u ers lequngskunst (oder Hermeneutik) bekannt sey,
! die angewendet werden müssen, um den richtigen Sinnschwieriger Stellen in altern und neuern Schriften auftzufinden, und den' Verfasser ganz so zu verstehen, wieer verstanden seyn will. Wie wichtig die Bekanntschaftmit den Vorschriften der Erklärungskunst, und eine^ durch fleißige Uebung und Anwendung erworbene Fer»tigkeit in Erklärung dunkler Stellen sey, wird nie-> mand leugnen, der bedenkt, daß dieses der einzigej Weg ist, auf dem man zur Benutzung der herrlichenSchätze gelange» kann, die die weisesten Menschen allerZeiten in ihren Schriften niedergelegt haben. Seitdemman wieder angefangen hat, die bessern Schriften desAlterthums sorgfältiger zu erklären, und die schwere»Stellen aufzuhellen, begann eine glückliche Periode fürdie Bildung des guten Geschmacks und die Vervoll-kommnung aller Geisteskräfte- welches ans die Bear