Bon der Prü frrng der Zeugnisse, i gz
die Sachen zu übertreiben, oder sich durch Erzählungenvon sonderbaren Vorfällen und merkwürdigen Abentheu,ern, die sie bestanden, ein gewisses Ansehen zu gebenu- dgl. werden manche Personen äusserst unzuverlässigeZeugen, und erhalten auch dann, wenn sie die Wahreheit reden, keinen Glauben. — Nicht selten wird auchdem schönen, witzigen Ausdruck zu Gefallen die Wahrtheit aufgeopfert r denn das Bestreben, eine Gesellschaftangenehm zu unterhalten, den Lieblingsneigungen devMenschen zu schmeicheln, sich in den Credit eines wihiazen Kopfs zu sehen, oder für einen starken Geist zu gel-ten, der an ausgemachten Wahrheiten zweifele, undüberall Paradoxien vorzubringen sucht u. s. w. schwächeallmählig das Interesse für Wahrheit, auch bey sonstgut gesinnten Menschen, und verleitet sie zu halbwahrenoder ganz unrichtigen Darstellungen ihrer eigenen Er-fahrungen, und zu Verfälschungen der Geschichte über-haupt. — Es ist oft schwer, zu bestimmen, ob nicht die«ine oder andere der genannten Ursachen -ep dem Zeug-nisse eines Menschen mitgewirkt, und ihn zu Mangelan Aufrichtigkeit verleitet habe. Aber je mehr man ver-sichert seyn kann, daß keiner dieser Beweggründe Ein-fluß auf das Zeugniß gehabt habe, desto größer wirddie Glaubwürdigkeit desselben.
9) Man kann im Allgemeinen annehmen, daß einMensch, der sich bemüht, eine Sache genau zu beobach-ten, richtig wahrnimmt, wenn die Beobachtung nichtüber seine Kräfte steigt. Daher müssen die beiden Punk-te berücksichtiget werden, erstlich, ob die gehörige Ge-nauigkeit und Sorgfalt angewendet worden ist; zweitens,ob der Beobachter di« nöthigen Norkenntniffe besessen