Von Vermeidung der Jrrthümer. izy
digen, das die Menschen ansführen: denn wo kalteVernunft öfters den Willen nicht zur gehörigen Thätig,keil bestimmen würde, da must ihn ein dazu kommendesstärkeres Gefühl beleben.
Aber das; die heftigen Gefühle und Leidenschaften,wenn sie die Herrschaft über die Vernunft erhalten,ausser ihren übrigen nachtheiligen Folgen auch dadurchschaden, dast sie die Aufmerksamkeit von dem Haupt,punkte, der überlegt werden soll, abziehen, die Phanrtaste erhitzen, und die Vernunft zu einseitigen und fairschm Schlüssen verleiten, ist eben so wahr. Es gehetdem leidenschaftlichen Menschen in Ansehung der Bcur,theilung der Gegenstände, die auf ihn Beziehung ha«ben, wie uns allen, wenn wir bey zu blendendem Liehete sehen wollen. So lange alles ordentlich und gehö,rig erleuchtet ist, können die uns umgebenden Dingerichtig und ordentlich erkannt werden. So bald aberder Glanz so heftig wird, daß er unsere Augen blenrdet, so sehen wir wenig oder nichts.
Die Leidenschaft urtheilt meistens falsch, und stelltetwas in gar zu.nachthciligcm oder gar zu vorcheilhaf«tem Lichte dar. Wer z. D. von übler Laune beherrschtwird, findet oft die größte Kleinigkeit beleidigend fürsich, zürnt, und glaubt das größte Recht dazu zu ha,ben. Das Gemülh eines solchen reitzbaren Menschengleicht einer offenen Wunde, welche.die kleinste Berüh-rung heftig fühlt. Daher kommt es, daß ein Menschim Zustande einer heftigen Leidenschaft sich das Schöneals wahr, das Nützliche als gut, das was er wünschtals wahrscheinlich, das künftige Gute zu reihend, dasUnangenehme zu schrecklich, das Lobenswerthe an sei,