Von Vermeidung der Jrrchümer. 137
bttn merken sollte. Wer in einer Gesellschaft aufmehrere Gespräche von ganz verschiedenem Inhalte! zugleich merken will, oder bey der Betrachtung einerI an mannigfaltigen Gegenständen reichen Landschaft inkurzer Zeir alles auffassen will, glaubt hernach irrigmanches gehört und gesehen zu haben, wovon die Re-de nicht war, oder was nicht vorhanden war.
2) Wer sich nicht gewöhnt, bey dem Hauptb«
I griff, Hauptsätze, stärksten Beweise rc. besonders aufr
! merksam zu seyn, sondern da zerstreut und mit einem
unter viele minder wichtige Dinge getheilten Interesse^ zuhöret, wo alles auf das Verstehen und Veurtheilcn^ eines Punkt- ankam, der wird die Sache von der un-richtigen Seite ansehen und sich iy seinem UnheilI irren.
j z) Wer zu leicht ermüdet, wenn er seine Auf-
merksamkeit lange anstrengen muß, oder wenn er beyeinförmigen, oft mechanischen, Geschäften ausharrcn^ muß, ist nicht sicher, daß er sich nicht irret. Wenn
^ er z. V. in einem langen Vorträge einen Sah über:
! siehst, und dadurch den Zusammenhang verlieret, oderdas folgende nicht versteht — wenn er bey dein An«^ hören oder Lesen der vorbereitenden Sätze ermüdet,
> so daß er hernach den Hauptbewcis nicht gehörig auf-
fasset — oder wenn er bey weitläuftigen Rechnun-gen aus Mangel an Achtsamkeit Fehler begeht u.d. gl.
Die Vorsichtsregeln gegen diese Fehler ergebensich von selbst. Man gewöhne sich von Zugcnd a»,sich vor dem Zerstreutseyn zu hüten, und auf alles,was einigermaßen interessant seyn kann, zn merken.