Kant.
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lige berühmte Philologe Ruh nkenius, der mit Kant näher befreundet war.) Aufd/Universität widmete er sich der Theologie, noch mehr aber dem Studium der Physik, Astro-nomie, Mathematik und Philosophie. In den beiden letztgenannten Disciplinen warMartin Kunzen, ein ausgezeichneter Kopf, sein Lehrer. Wie außerordentlich thätigKant in den 5 Jahren seines Universitätsstudiums gewesen, beweist am Besten sein schon1747 herausgegebenes ausführliches Werk: „Gedanken von der wahren Schätzung der le-bendigen Kräfte." Nach Beendigung seiner Studien brachte er neun Jahre als Hauslehrergrößtentheils auf dem Lande zu. Er versuchte auch einige Male in Dorfkirchen zu predi-gen, entsagte aber, da er bei Besetzung der untersten Schulcollegenstelle bei der Königsber-ger Domschule einem Andern, ganz Unfähigen, nachgesetzt ward, allen Ansprüchen auf eingeistliches Amt (wozu auch wohl die Schwäche seiner Brust mit beigetragen haben mag)und widmete sich von seinem 30. Jahre an ganz dem Doppelberufe des akademischen Leh-rers und des Schriftstellers, in welchem er (zumal in letzterem) ohne Frage das Größte er-reicht hat, was bisher von irgend einem einzelnen Philosophen darin erreicht worden ist.Noch vor seiner Habilitation in seiner Vaterstadt gab er (1755), außer einigen kleinerenin Zeitschriften eingerückten astronomischen und physikalischen Abhandlungen, «^„All-gemeine Naturgeschichte und Theorie des Himmels oder Versuch von der Verfassung unddem mechanischen Ursprünge des ganzen Weltgebäudes, nach Newton'schen Grundsätzenabgehandelt" heraus, welche im Wesentlichen ganz dieselbe Theorie des Weltbaues durchbloße Combination von Schlüssen enthielt, die 6 Jahre später der berühmte Lambert inseinen kosmologischen Briefen (ohne Etwas von der Kant'schen Schrift zu wissen) auf-stellte und dieHersch el 30 Jahre später durch seine Beobachtungen vollkommen bestätigtfand 2 ). Auch die von L ap l ace in seiner „kxponitioii" ausgestellte Theorie der Entste-llung des Planetensystems ist schon in dieser Schrift Kant's dargelegt^). Am 27. Sept.1755 vertheidigte er seine Dissertation: „priucipi'orum primormu cngn>tioni8 metspk^-sicae novs <HI„cick-,tio." In der zuerst genannten Schrift von der Schätzung der leben-digen Kräfte hatte er bereits sich als ächten Selbstdenker gezeigt, indem er als 22jährigerJüngling den berühmtesten Männern seiner Zeit und Vorzeit, einem Leibniz, Wolf, Ber-noulli und Anderen zu widersprechen wagte, sowie er auch in der Vorrede im edlen Selbst-gefühle die Worte aussprach: „Ich habe mir die Bahn vorgezeichnet, die ich halten will;— ich werde meinen Lauf antreten und Nichts soll mich behindern, ihn fortzusetzen!"
Es ist in der That äußerst merkwürdig, daß sich schon in dieser Jugendarbeit mehrereder eigenthümlichen Grundideen der Vernunftkritik finden (so z. B. schon die Ansicht, daßder Raum eineAnschauungsform sei, welche dieGesetze enthalte, unter denen unser Vorstel-lungsvermögen von den sinnlichen Eindrücken afsicirt werde; man findet daselbst fernerauch die Ansicht ausgesprochen, daß es an sich seiende Dinge geben könne, welche nirgendsund nie in unser menschliches Vorstellungsvermögen zu fallen vermöchten) so wie, daß das,was sich als Resultat der Ueberzeugung durch diese Arbeit bei ihm festsetzte und er später inseinen „Metaphysischen Anfangsgründen der Naturwissenschaft" vollständig entwickelte,von da in die Naturconstructionen der Schelling'schen Schule übergeflossen ist *). Nochdeutlicher bezeichnte ec den eigenen, von ihm eingeschlagenen Weg durch die gedachte Dis-sertation, aus deren Thema seine Absicht deutlich hervorleuchtete, der Metaphysik oder theo-retischen Philosophie eine Revolution zu bereiten, indem er schon hier die ersten Grund-sätze derselben einer unerbittlich strengen Censur unterwarf. In den folgenden Jahren er-schien von ihm eine bedeutende Zahl kleinerer, theils philosophischer, theils physikalischerund vermischter Schriften °), unter denen besonders der „neue Lehrbegriff der Bewegungund Ruhe" u. s. w. (1758), die „falsche Spitzfindigkeit der syllogistischen Figuren^
2) S. die deutsche Uebersetzung von Herschel's Schrift: „Vom Bau des Himmels."
3) Vergl- Rosenkranz, Gesch. d. Kant. Philos. S. 133. Schopenhauer,Welt als Wille u. Vorst. 1844. II. S. 53, 324.
4) S. Fortlage's treffliche Abhandlung in der deutschen Vierteljahrsschrift 1838„Die Stellung Kant's zur Philosophie vor ihm und nach ihm." (IV. S. 102.)
5) Vollständig aufgeführt in Borowski's Biographie Kant's S. 53 ff.