Orangelogen, Orangemänner. IIS
machen. Halte L e i b n i tz in seiner Schrift eine Fülle von Belesenheit, viel Scharf-sinn und eine ausgezeichnete Billigkeit gegen seinen Widersacher entwickelt (Eigenschaf-ten, welche namentlich auch Fontenelle in seiner Lobschrift auf Leibnitz in der„Theodicee" rühmt), so schlug V o l t a i r e mit aller Derbheit, Rücksichtslosigkeit, Ober-flächlichkeit und dem vollen, ungebändigten Streben in die Sache ein, witzig zu sein, aufdie Spitze zu treiben und nicht sowohl zu überzeugen als zu blenden und durch Lachen'hinzureißen. Voltaire läßt scherzend seinen Eandide den Optimismus so desiniren:„er sei die Wuth, Alles für gut zu halten, wenn man sich übel befinde". Voltairehat auch des Worts Pessimismus, als Gegensatz des Optimismus, in seinemEandide erwähnt. — Die Berliner Akademie setzte nun Preise für Preisschriften überdiesen Gegenstand aus, man sammelte die Schriften „über die Lehre von der bestenWelt", und noch im Laufe des vorigen Jahrhunderts erschien in Leipzig eine AbhandlungEreuzer's: aibr> itril ckoctrin» llv miiiuio nptimn etc." — Noch immer
ist die religiöse und philosophische Lehrmeinung vom Uebel eine der schwierigeren, und esmöchte schwer sein, ohne an Das, was die positive Religion Tröstliches darüber enthält,oder an den Le ibnitz'scheu Deismus sich zu lehnen, wo dann die Vernunft das oftzweifelnde und grübelnde Gefühl besiegen muß, oder ohne eine höhere Weltanstcht, dasProblem des Vorhandenseins des Uebels und seines oft scheinbaren Siegs über das Gutegenügend zu lösen. K. Büchner.
Orangelogen, Orangemänner. — Von allen Erscheinungen in der neuerenGeschichte Großbritanniens ist keine so lehrreich für die Beurtkeilung allgemeiner staats-wissenschaftlicher Grundsätze, so geeignet, einen tiefen Blick in die bürgerlichen und po-litischen Verhältnisse des britischen Reiches zu eröffnen und zugleich ein so glänzendesBeispiel von der Festigkeit, Sicherheit und Kraft der britischen Staatseinrichtungen, alsdie Entstehung, die Fortbildung und das Ende derjenigen kirchlich-politischen Verbin-dung, welche unter dem Namen des Orangebundes bei den Zeitgenossen noch imfrischen Andenken steht. Wenn daher dieser Gegenstand in dem früheren Artikel „G e -Heime Gesellschaften" (Staats - Lexikon Bd. V. S. 427-— 454 und beson-ders S. 450) nur beiläufig berührt worden ist und demselben hier ein eigener Artikelgewidmet wird, so rechtfertigt sich dieses durch dessen Wichtigkeit so wie durch den engenZusammenhang, in welchem der Ocangismus mit so manchen anderen Erscheinungen derbritischen Geschichte steht. Es ist indeß nicht möglich, die wahre Bedeutung der Orange-verbindungen in historischer, sittlicher, politischer und staatsrechtlicher Hinsicht vollständigund richtig aufzufassen, wenn man nicht zuvor einige vorerinnecnde Rückblicke auf diefrüheren Schicksale Irlands wirst.
Mit dem Eindringen einiger englischen Abenteurer in Irland in der zweiten Hälftedes zwölften Jahrhunderts begannen die bis in die neuesten Zeiten und mit nur zu günsti-gem Erfolge fortgesetzten Versuche des größeren und stärkeren Nachbarlandes, nichtallein die Insel seiner politischen Obergewalt zu unterwerfen, sondern auch die wichtigstenEigenthumsrechte auf derselben sich anzumaßen. Heinrichl>. von England hielteine bloße vom Papste ausgewirkle Verleihung für hinreichend, um auf den Grund der-selben die obere Lehensherrlichkeit über ganz Irland in Anspruch zu nehmen und so zu derHerrschaft der einen Nation über die andere den Grund zu legen. Der auf diese Weiseherbeigeführte — und gewiß nicht grundlose — Haß der Irländer, welche bis dahin untereigenen, bald selbstständigen, bald durch die überwiegende Macht eines Oberkönigsverbundenen Fürsten gelebt hatten, gegen ihre Unterdrücker erhielt neue Nahrung undUnterstützung durch das Bestreben der englischen Ansiedler selbst, welche den Anmaßungendes Mutterlandes entgegentraten, obgleich eine wirkliche Verschmelzung beider Volks-stämme an der scharf ausgeprägten Eigenthümlichkeit jedes von ihnen so wie besondersan der Kraft der schmerzlichen Erinnerungen scheiterte, welche bei den Irländern die nochfortwirkenden Erfahrungen und Ueberlieferungen erwecken mußten. Wiederholte Be-freiungsversuche hatten für die unglückliche, selbst noch durch inneren Zwiespalt zerrisseneInsel nur abermalige weitere Beraubungen und Unterdrückungen zur Folge, und so un-natürlich und verkehrt wurde das Verhältnis daß die Iren, welche in ihrem eigenen