Druckschrift 
10 (1848) [Not - Pra]
Entstehung
Seite
91
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O'bonnell.

Fallen gegen ihn versuchen möge. Es war nicht so sehr das Vertrauen auf seine Advoca-tengelehrsamkeit als das Vertrauen auf sein Geschick, auf seinen hohem, von Gott er-haltenen Beruf, der ihm diese Keckheit gab.

Nur zu natürlich, wenn O'Eonnell dies Vertrauen vor den Thoren seines Gefäng-nisses zurückließ. Er war besiegt, nicht wie Jemand, der eine Niederlage erlitten, son-dern wie Jemand, der in dieser Niederlage selbst seine eigene Schwäche und Unzulänglich-keit dem starken Feinde gegenüber erkannt hat.

O! wie schade, daß er nicht in seinem Gefängnisse gestorben ist und dort auch kör-perlich begraben liegt, wie sein Geist dort seine Laufbahn vollendete. Der Agitator,derBefreier Irlands, war hier ein ganzes Jahr auf seine vier Mauern beschränkt. Einganzes Jahr lang sagte ihm alle Tage jede Secunde: „Du, O'Eonnell, du bist gefan-gen." Und neben ihm standen die jüngeren Leute *), sahen zugleich mitleidig und zorn-glühend aus ihren „Leader", der sie am Ende bis ins Gefängniß geführt, hinab. IhrSchweigen und ihr Reden, ihr Klagen um O'Eonnell, um Irland, um ihre eigene Frei-heit waren vergiftete Dolchstiche ins Herz ihres großen Mitgefangenen. Was Wunder,daß es am Ende brach !

O'Eonnell war — wie alle Irländer mit seltener Ausnahme, wie alle Katholiken zuder Zeit, wo ihr Vaterland, ihre Umgebung, Erziehung, Literatur, Kunst und Wissen-schaft auf der Stufe standen, auf der Irland noch heute steht — ein eifriger Katholik. Ersuchte und fand Trost für seinen Kummer bei seinem Gotte und in seiner Kirche. Und dieganze Geistlichkeit von ganz Irland, groß und klein , betete für ihn und pilgerte zu sei-nem Gefängnisse, um ihn zu trösten.

Als sich endlich die Thore des Gefängnisses für ihn und seine „Mitmärtyrer" —wie das irländische Volk sie nannte — wieder öffneten, war O'Eonnell selbst und Alles umihn vollkommen geändert.

O'Eonnell — der Gedanke O'Eonnell — war gebrochen, das Vertrauen in ihn selbstzernichtet. Er lallte zwar noch den Repealruf; aber er ging bei der Eröffnung des Parla-mentes nach England und gab seinen stolzen Siegern eine Gelegenheit, großmüthig zusein und ihm einen mitleidig-freundlichen Gruß zuzurufen, als er in ihre Mitte trat.

Der Bruch zwischen O'Eonnell und Jungirland wurde jetzt ein offener. Die jun-gen Leute ahneten heraus, daß O'Eonnell nicht mehr in sich selbst vertraue, und die na-türliche Folge war, daß sie ihm nun auch ihr Vertrauen nicht mehr schenkten. Die Ver-anlassung zum Bruche zwischen O'Eonnell und Jungirland — indem die jüngere Gene-ration im Falle der Noch selbst zu den Waffen zu greifen sich bereit erklärte, während dieO'Connell's das Schwert für alle Ewigkeit und trotz allen Verhältnissen und möglichenVerwickelungen verdammten — war aber nur die Veranlassung, nicht die Ursache desBruches, wenn sie als solche auch sehr tief in den Verhältnissen begründet lag. Jung-irland kam aber aus dem Gefängnisse und hatte dort einsehen gelernt, daß Altengland amEnde in dem Kampfe mit gesetzlichen Waffen Irland in Ketten zu werfen die Macht findenwerde, wie es sie O'Eonnell gegenüber am Ende gefunden hatte. Der Schluß ist vielleichtnicht ganz logisch — denn die Besiegung O'Eonnell's auf dem Felde des gesetzlichen Wi-derstandes wurde, wie wir gesehen, erst durch die Lüge und den Widerspruch, in denO'Eonnell sich verwickelte, möglich — aber wenn nicht ganz logisch, so war die Denk-weise Jungirlands deswegen nicht weniger natürlich. O'Eonnell im Gefängnisse hieß fürseine Freunde und Nachfolger: „Es giebt kein Recht für Irland." Und da-her kam Jungirland zu dem Schlüsse, daß, wo das Recht zu Ende sei, die Gewalt be-ginne und sich als natürliche Selbsthilfe rechtfertige.

Mit dem Abfälle Jungirlands verlor O'Eonnell und seine Agitation den letzten Restpolitischen Lebens. Was das Gefängniß übrig gelassen, trat dieser Zwiespalt nachträg-lich nieder.

*) Dufoy, der Begründer des Blattes: Dbs Nation und der eigentliche Stifter desjungen Irlands, und mehrere Andere