Druckschrift 
4 (1846) [Deu - For]
Entstehung
Seite
736
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735 Flaffan.

das selten für ein Werk bezahlt wird, um es bekannt zu machen! Auch in anderenArbeiten von geringerem Umfange und weniger Bedeutung hat sich Herr v. Flaffannicht ohne Erfolg versucht, wie in seinen Schriften „über die Colonisirungvon St. Domingo" und „über die politische Restauration von Eu-ropa und von Frankreich." Ungleich wichtiger und von größerer Bedeutung istseine „Geschichte des Wiener Eongresses", die 1829 erschienen ist. Dader Verfasser der französischen Gesandtschaft bei dsisem Congresse (1814) als Histo-riograph beigegeben war, so fehlte es ihm, der ohnedies mannigfaltige Verbindungenin dem höheren Kreise der diplomatischen Welt hatte, nicht an den Materialien, diezur Ausarbeitung eines so bedeutenden Werkes erfordert wurden, und er konnte mitRecht den Spruch, den er ihm vorausgeschickt, wählen : Hnaoguo ipso clarissims virii.Von diesem Congresse sagte er: „Er hat, wegen der Wichtigkeit und des Umfangesdessen, was er gewirkt, seines Gleichen nicht in den Jahrbüchern der Diplomatie undist noch nicht gehörig gewürdigt worden, weil man ihn noch wenig kennt. Man hatden allgemeinen Geist desselben einigen Begriffen und Ansichten untergeordnet unddie Theile vereinzelt, ohne das Ganze zu übersehen. -Der Wiener Eongreß, der sichan das Ausgezeichneteste, was unsere Zeit in der gesellschaftlichen Stellung, und andas Bedeutendste anschließt, was sie an Ruf aufweisen konnte, verdiente in den An-nalen der Welt mit mehr Glanz und Wahrheit dargestellt zu werden. Diese Ver-sammlung, welche das öffentliche Recht von Europa wiederhergesteilt und neue poli-tische Harmonieen geschaffen hat, wird den großen Cabinetten eine unbestimmte Reihevon Jahrhunderten hindurch zum leitenden Muster dienen; und wenn sich unter ihneneinige davon entfernen sollten, dann werden sie durch die Macht der geschaffenenCombinationen zu ihm zurückgeführt werden. Der Geist, der die Könige und ihreMinister beseelte, wird nützliche Eingebungen für die Entschließungen darbieten, dieman über die Ereignisse zu fassen haben wird, welche noch im Dunkel der Zeit ver-borgen sind. Bei dem Wiener Congresse zeigten die Bevollmächtigten den Abglanzder Großmuth und der edlen Stimmung der Seele der verbündeten Monarchen;und es waren die reinsten Antriebe, die zu den Beschlüssen führten, zu diesen Be-schlüssen, die eben so weise als tief gedacht sind, obgleich man sie auf verschiedeneWeise gewürdigt hat." In diesem Geiste ist das Werk aufgefaßt und mit großerSachkenntniß und Gewandtheit, wenn auch vielleicht oft einseitig, ducchgeführt.

Herr von Flassan kennt seinen Gegenstand, den er behandelt, und er behan-delt ihn mit Geschick und Redlichkeit. Die geschichtlichen Angaben zeichnen sich durcheine Treue und Vollständigkeit aus, die ein eben so ehrenvolles Zcuqniß für den Cha-rakter als für das Talent und den Fleiß des Verfassers geben. Man sieht, daß erüber Quellen verfügen konnte, aus denen, wenigstens in der Zeit, wo sein Werk er-schien, nicht Jedem zu schöpfen gestattet war. Er hat sogar mehr als dieses Quel-lenstudium, nehmlich eigene Ansicht und Erfahrung, und er stand den Menschen undden Dingen oft nahe genug, um sie selbst zu beobachten, prüfen und beurtheilen zukönnen. Zur Ehre des Verfassers und seiner W.rke glauben wir gesagt zu haben,was sich Rühmliches von ihnen sagen läßt; Jener verdient mit Auszeichnung genannt,diese verdienen mit Aufmerksamkeit gelesen und studirt zu werden. Indessen sindwir mit der Art, wie er seinen Stoff behandelt hat, nicht immer zufrieden. Beson-ders fänden wir an der Geschichte des Wiener Eongresses gar Manches auszusetzen,wenn wir die Grundsätze zu erörtern hätten, von denen der Verfasser ausgeht und dieden Zweck un^ Gehalt des Werkes mehr oder weniger bestimmen. Der geschichtlicheTheil desselben ist, wie wir oben schon gerühmt, mit Sachkenntniß und Treue ge-schrieben; aber selbst die Geschichte wird sehr ungleich bei einer ungleichen Beucthei-lung der Thatsachen, die sie erzählt, da die Theilnahme, die Billigung, die Neigungoder der Widerwille des Geschichtschreibers in die Darstellung übergeht und diesedie Färbung jener Stimmung trägt. Was findet Herr v. Flassan nicht Alles ander französischen Diplomatie zu tadeln, sobald sie mit der Revolution, wie er meint,den geraden und rechten Weg verloren! Von der constituirenden Versammlung bis