Druckschrift 
9 (1847) [Men - Nor]
Entstehung
Seite
785
Einzelbild herunterladen
 

Norwegen (historisch und statistisch.) 785

den Klippen in den Sunden, auf den zahllosen Inseln und in dem Dunkel der Fjordewohnen Kaufleute, die privilegirte Handelsstellen besitzen. Diese Kaufleute sind die ei-gentlichen Herren der Finmarken. Sie versorgen die Fischer mit Lebensmitteln undBranntwein und nehmen dafür ihren Fang als Zahlung an; Jahr aus Jahr ein borg nsie Lappen, Quänern und Normännern ihre Maaren, halten sie stets in ihren Schuldbü-chern und machen sie ganz von sich abhängig. Dasselbe Verhältniß besteht auch zwischenden Kaufleuten in Tromsöe und Hammerfest und der umwohnenden Bevölkerung. DieKaufleute schicken ihre Böte und Schiffe zum großen Fischfang auf die Lofoden, sendenihre Uagden mit Fisch und Thran nach Bergen und setzen sie dort gegen Lebensbedarf undGeld um. Aber aller Handel in den Finmarken zwischen Kaufmann und Fischer istTauschhandel; Nocmannec, Quäner und Lappen ohne Unterschied bekommen nie Geld,sondern nur Branntwein, Mehl u. s. w.; die Folge ist, daß sie in tiefster Armuth lebenund physisch und moralisch verderben, weil wuchernde Kaufleute und Richter sie auspres-sen. Die Kaufleute aus den Klippen und Inseln besitzen dagegen zuweilen ein Vermögenvon 100,000 Species und mehr. So giebt es auch in Tromsöe und Hammerfest sehrreiche Handelsherren, die Masse des Volks bleibt jedoch die elendeste und ärmste, und selbstder normannische Stamm entartet unter diesem Himmel und.diesen Verhältnissen.

In Hammerfest herrscht eine zwei Monate andauernde Nacht und eben so lange ver-schwindet im Juni und Juli die Sonne nicht vom Horizont; in Tromsöe verkürzt sichdiese Zeit auf die Hälfte. Wenige geschützte Stätten sind des Anbaues für Kartoffelnund Hafer fähig, über den Altenfjord hinaus wachst Nichts mehr. Alle Bedürfnissemüssen zur See herbeigeführt werden; die kleine Zahl der Kaufleute bekömmt aber vonHamburg nicht allein das Nothwendige, sondern auch sämmtliche Luxusartikel der civili-sirten Welt, und man trifft in ihren Hausern eben so wohl Bronceuhren wie Wiener Flü-gel, wahrend dicht daneben die Erdhütten der Fischer und vielleicht nicht weit davon dieGammen oder spitzigen Leinenzelte der Lappen stehen.

Beschreibungen des Lebens der Norwegen und des Lebens der Bewohner der Fin-marken findet man in Leopold von Buch's Reise und in dem neuen Werke von Th. Mügge:Reise durch Skandinavien. Wer möchte hier wohnen, ruft Leopold von Buch aus,waren die Fische nicht im Meere! Nur der Kaufmann kann es. Skorbut, Heimweh,tiefe Niedergeschlagenheit des Geistes und Verzweiflung legen die Meisten in ein frühesGrab. Wer kann mit einem geistigen Drange in der Brust hier leben unter ewigen Ne-beln, Stürmen, Klippen und Wüsten?! Fassen wir jedoch die GesammtverhältnisseNorwegens zusammen, so leuchtet uns die glückliche Entwickelung des Landes, hervorge-rufen durch seine das Volksleben kräftigende Verfassung, in zahllosen Fortschritten entge-gen. Der innere Ausbau staatlicher Organisationen, gegründet auf einer vollkommenenFreiheit der Bewegung und der lebendigen TheiMahme der Nation an Allem, was ihrWohl betrifft, kann erst nach und nach durch Verwandlung der Gesetzgebung und alterEinrichtungen mit Rücksicht auf die eigenthümlichen Verhältnisse des Landes und seinerBewohner vom Storthing bewirkt und vom gesunden Sinne des Volks unterstützt wer-den. Vieles bleibt dafür noch übrig, aber es giebt sehr wenig wahrhaft Zeitgemäßes, För-derndes und eines freien Volkes Würdiges, was nicht wenigstens schon angeregt und vor-bereitet worden wäre.

Schließen wir hier mit dem Lobe, welches Blom seinem Vateclande mit voller Be-rechtigung spendet: Das Resultat der 26 Jahre, sagt er, seit welchen Norwegen sich sei-ner Verfassung erfreut, ist: daß von der Staatsschuld, die 1823 noch 5,197,128 Spe-ciesthaler betrug, die größere Hälfte getilgt ist. Die Aciiva des Staats haben sich dabeiauf 7,664,300 Speciesthaler vermehrt und übersteigen die Passiva um 1,800,000 Spe-cies. Die Staatseinkünfte sind von 1,437,100 Speciesthaler auf 3,514,200 und dieAusgaben von 1,401,676 auf 2,242,300 Species gestiegen. Die direkten Steuern,welche im Jahre 1816 noch 600,000 Speciesthaler betrugen, sind nach und nach vermin-dert und 1836 ganz abgeschafft, die Ausfuhrzölle und mehrere indirekte Abgaben bis aufdie Halste heruntergesetzt worden. Die Staatskasse hat frühere Communallasten bis zurHöhe von 120,000 Species zu tragen übernommen; die alten werthlosen Bankzettel sindStaat- - Leriko». IX. 50