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Norwegen (historisch und statistisch).
seit einer Reihe von Jahren wandert der Probst Stockfleth in den Lappmarken als Missio-nair nmher, sie zu unterrichten und ihre Begriffe zu läutern. Der größte Theil dieserBemühungen ist jedoch vergebens, theils weil Nomaden keine Cultur annehmen können,theils weil trotz des aufgeweckten Sinnes und der unleugbaren Verstandeskräfte, welche dieLappen besitzen, ihre Liebe zum Branntwein wie ihre Neigungen zum rohesten Naturlebensich dagegen strauben, endlich auch: weil die tiefe Verachtung, welche der Normann vorjeder Berührung mit den Lappen seit den ältesten Zeiten hegt, jetzt zwar durch Einwirkungder Gesetze so weit gemildert ist, daß man sie nicht mehr verfolgt und den Thieren gleich-stellt, aber doch immer groß genug bleibt, um sie als untergeordnete, ekelhaft; Wesen zubehandeln. Jede Verbindung mit ihnen ist ein Verbrechen gegen die Gesellschaft, undwenn ein Normann sich wirklich einmal mit einem lappischen Mädchen verheirathet, kanner nichts Besseres thun als mit ihr in die Gebirge ziehen, denn Jedermann meidet sei-nen Umgang.
Christen sind sie Alle, doch haben sie noch immer eine geheime Zuneigung zu ihrenalten Göttern und den heiligen Plätzen im Gebirge (den Seilas), wo jenen einst geopfertwurde. Die Regierung hat sechs Prediger in den Finmarken angestellt, welche unterden Lappen wohnen, die sich im Winter zum Theil bei den Pfarrhäusern sammeln, woihnen mit Hilfe eines Uebersehers die Predigten verdeutlicht werden. Die Sprache derLappen zu erlernen ist äußerst schwierig, denn so klein an Zahl das Volk ist, besitzt es dochmehrere verschiedene Dialekte, von denen der eine vom andern bis zur Unverständlichkeitabweicht. Die Pfarrer werden aus dem Zehnten der Lappen und von der Regierung be-soldet und bleiben gewöhnlich jetzt nur 6 Jahre in ihren Stellen, da es öfter vorgekom-men, daß der traurige Aufenthalt und die Einwirkungen des Klimas Tiefsinn und frühenTod veranlaßt haben. Der Pfarrer in Kauto - Kaind, dem auch die Filiale am Porsan-ger-Fjord und aufMageröe, dicht am Nordcap, zustehen, hat, wenn er einmal einengesitteten Menschen sehen will, zwanzig norwegische oder dreißig deutsche Meilen durch dieAlpenwüste zurückzulegen, was nur im Winter mit Hilfe des Schnees und der Rennthier-schlitten geschehen kann.
Die Regierung erhebt von den Lappen eine Abgabe und läßt auf den Jahrmärktenin den Fjorden ihre Streitigkeiten von den Sorenskrivern und Voigten richten, welchereichliche Sporteln dafür einziehen. — An baarem Silbergeld geht Norwegen jährlicheine nicht unbedeutende Summe verloren, weil die Lappen ihre Rennthiere nie anders alsgegen Species verkaufen, leder Familienvater aber seine Ersparnisse, welche zuweilenmehrere hundert und tausend Thaler. betragen, heimlich in den Gebirgen vergräbt undmeist stirbt, ohne daß Frau und Kinder den Ort kennen. — Die Rennthiere werden imHerbst, wo sie fett sind, in Tromsöe und auf den Jakrmärkten für 3 bis 4 Species ver-kauft. Ihr Fleisch, dem Hirschfleisch ähnlich, ist sehr schmackhaft. Die Schinken wer-den geräucbert und gebraten; Milch und Käse der Rennthiere genießen nur die Lappen.
Tromsöe und Hammerfest sind' die beiden Handelsplätze der Finmarken, von denenaus ein steigend wichtiger und vortheilhaster Handel mit Thran und Fischen getrieben wird.Beide Städte sind im vorigen Jahrhundert angelegt. Tromsöe hat jetzt 2000 Einwoh-ner, Hammerfest 600. Es werden aus Tromsöe jährlich durchschnittlich 120,0< OVaageFisch ausgeführt (die Vaage 37 Pfund) nebst 4000 Tonnen Thran, daneben Renn-thierhäute, Bären-, Ziegen-, Fuchs- und Olternfelle, nebst Federn u. s. w. Die unge-heure Menge der Seevögel, Möven und entenartigen Vögel wie auch die bekannten Ei-dervögel bieten für Nordland noch mehr wie für Finmarken einen vortheilhaften Han-delsartikel. Die Russen versorgen von Archangel und Kola aus die Finmarken mitMehl, Hanf, Hülsenfrüchten und anderem Bedarf und kaufen dafür Salzsisch. Ruß-land hat 1828 einen höchst günstigen Handelsvertrag abgeschlossen und würde gern seinegewaltige Hand über diese fischreichen Küsten ausstrecken, wogegen die Kaufleute, ihrerHandelsvortheile wegen, wenig einwenden würden, sie lassen-ihre Kinder schon jetzt meistin Archangel erziehen, allein die Großmächte, namentlich England, würden schwerlich jein eine solche Erwerbung willigen. Die Finmarken bringen Norwegen keine unbedeu-tende Summe an Steuern ein, welche auf 100,000 Species veranschlagt werden. Auf