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Norwegen (historisch und statistisch).
kann, ohne diesen Schein kann kein Eid geleistet und kein gültiges Aeugniß abgelegt wer-den. Jedes Kind muß wenigstens ein Jahr den Unterricht des Pfarrers besuchen, undwer erwiesener Maßen Dies versäumt hat, kann ins Zuchthaus geschickt und dort dazuangehalten werden.
Wie sehr die Städte sich vom Lande unterscheiden, sieht man daran, daß in Christia-ne 1 Angeklagter aus 63 Einwohner kam; in Bergen 1 auf 71, in Trondhjem 1 auf97.In Bergenstift dagegen 1 auf 1403; in Trondhjemsamt 1 auf 1160 und in Nordlandlauf 2260. — Diebstahl ist das überwiegende Verbrechen; es erfolgten 788 Anklagendeswegen; wegen Mord und Todtschlag 10, Mishandlungen 33, Fälschungen 35, Stra-ßenraub 7, fleischliche Vergehen 29.
Das Klima Norwegens ist trotz der nördlichen Lage doch meist gesund und nur imhohen Norden und an den Küsten einer langen Lebensdauer nachtheilig. Verlöre dasLand nicht durch Seefahrt, Fischerei und andere gefährliche Gewerbe jährlich eine bedeu-tende Zahl kräftiger Männer, so würde seine Bevölkerung rascher zunehmen, als es derFall ist. Unter den Fischern, namentlich in Bergenstift, ist die fürchterliche Krankheiterblich, welche in alter Zeit Aussatz genannt wurde, noch jetzt an den Küsten des Mitlel-meers sich findet und von den Aerzten elepbsntissis orientsii«, in Norwegen Lepra undRadezyge genannt wird. Es ist eine allgemeine Säfteverderbniß, die in Folge der Fisch-nahrung und der Lebensweise in Wind, Wetter und Nässe entsteht, zu der sich örtlicheUrsachen gesellen» um den Ausbruch zu bewirken. In Bergen ist ein Lazareth für Lepra-kranke ; glücklicher Weise hat das Uebel in neuester Zeit durch die Sorgfalt der Regierungnbgenommen, und diese günstige Aenderung würde sich deutlicher machen, wenn die Fi-scher zu größerer Reinlichkeit, vermindertem Branntweingenuß und verbesserter Nah-rungsweise geführt werden könnten. — Was die Lepra am südlichen Theile der Küstenschadet, thut im hohen Norden der Skorbut. Viele, die in Finmarken einwandern,sterben auch an Lungen-und Brustkrankheiten, dagegen ist das innere bewohnte Land,selbst im hohen Gebirge, gesund; von Cretins weiß man Nichts und nach den Tabellenvon 1835 lebten damals 34,749 Menschen im Lebensalter zwischen 70 bis 80 Jahren,10,916 zwischen 80 und 90 Jahren, 1007 zwischen 90 und 100 Jahren und 41, welcheüber 100 Jahre zählten. — Das Verhältniß der Geburten zu den Sterbefällen stelltesich wie 163 zu 100; die Sterblichkeit zur Gesammtbevölkerung wie 1 zu 51, währendin den meisten Ländern Europas dies Verhältniß wie 1 zu 40 und noch ungünstiger ist.
Die Bewohner Norwegens gehören alle demselben germanischen Stamme an, wel-cher die große Halbinsel und die Inseln zwischen Ostsee und Nordsee einst in Besitz nahm;nur im äußersten Norden wohnen an den Küsten einige Tausend eingewanderte Finnlän-der, welche den Namen Quänec tragen, und auf den Alpen wandern Lappen um-her. Der ganze Lappenstamm zahlt jedoch jetzt kaum mehr 8000 Köpfe und ist sichtlichim Aussterben begriffen. Nur der reichere Theil dieses merkwürdigen Volks lebt ein Hir-tenleben auf den Alpen, und ihm gehören die 80- bis 100,000 Rennthiere, deren Milch,Fleisch und Blut ihnen Nahrung giebt und deren Felle und Sehnen sie bekleiden. EineLappenfamilie braucht zu ihrer Erhaltung eine Heerde von wenigstens 2-bis 300 Renn-thieren; es giebt jedoch mehrere, die eben so viel Tausende besitzen. Für die Sommerzeitkommen sie an die Küsten herunter, weil auf den Alpen Myriaden Fliegen und Jnsectendie Rennthiere und den Menschen peinigen. Sobald der Winter eintritt, verlangt dieHeerde aber nach der Schneewüste der Gebirge und würde entfliehen, wenn man ihremInstinkt nicht genügte. So wird der Lappe zum Wandern gezwungen, er hängt mit demRennthiere fest zusammen und bleibt Nomade, ohne je zu einem festen Wohnsitz zu ge-langen. Der ärmste Theil des Stammes lebt dagegen als Fischer an den Küsten; Anderebeschäftigen sich mit der Jagd und bauen sich an geschützten Stellen an, Alle aber entflie-hen unfehlbar dieser Lebensweise und kehren zum Rennthier und zu den Alpen zurück, so-bald irgend ein Glücksfall ihnen die Mittel giebt, das Hirtenleben beginnen zu können,was stets das sehnsüchtige Ziel ihrer Wünsche bleibt. Die norwegische Regierung hat sichviel Mühe gegeben, den Stamm zu einer höheren Cultur zu führen. Ein Seminar istin Trondenäeö errichtet worden, wo junge Lappen zu Schullehrern gebildet werden, und