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Norwegen (historisch und statistisch).
geltenden Einrichtungen bildet, armen Studirenden aber ihr Studium und Fortkommenungemein erleichtert. — Au den bedeutendsten Lehrern der norwegischen Universität gehö-ren der Astronom und Physiker Hansteen, der Geognost Keilhau, die Historiker Kaiserund Munch und der Lehrer der Staatswissenschafteu und Statistik Schweigaard. — DieUniversität besitzt schöne wissenschaftliche Sammlungen, eine Bibliothek von 180,000Bänden und verdient überhaupt als ein schönes Denkmal der Aufklärung und Bildungs-liebe der Nation gerühmt zu werden,-die, arm und bedrängt, wie sie war, in schwersterZeit eine Million Reichsthaler an Geld und Naturalien zusammenbrachte, um die Hoch-schule zu begründen. 'Auch die Literatur hat mit der wachsenden Bildung der Nation zu-genommen, obwohl ihr bedeutende Schwierigkeiten entgegenstehen, denn eine Nation,deren Sprache nur von wenigen Millionen Menschen gesprochen und verstanden wird, hateinen beschränkten Wirkungskreis für die Pcoducte ihrer Gelehrten, ihrer Dichter undTagesschriftsteller. >— Das Ausland versteht kein Norwegisch, daher müssen alle Bücher,welche allgemein verständlich werden sollen, deutsch oder französisch geschrieben oder über-setzt werden; da jedoch das Norwegische eigentlich keine besondere Sprache bildet, sonderndem skandinavischen Stamme gemeinsam angehört und namentlich mit dem Dänischenbis auf wenige Abweichungen in Mundart und Betonung zusammentrifft, so ist das einewesentliche Begünstigung für die gegenseitigen Entwicklungen der drei verwandten Völker.
— Es mag wahr sein, daß dabei die beweglicheren, in Kunst und Wissenschaft weiter ge-bildeten Dänen für jetzt noch den größten Vortheil ziehen und dänische Bücher, Journaleund Schriften in viel größerer Zahl nach Norwegen kommen als umgekehrt norwegischenach Dänemark; es ist dies aber eine nothwendige Folge der Verhältnisse beider Völker,welche sich erst später ausgleichen kann, wenn der noch junge norwegische Staat, in dembis jetzt für Kunst und ästhetische Bildung wenig geschieht, mehr in dieser Richtung lei-stet und durch Aufmunterungen und Unterstützung junger Talente die Vortheile zu para-lystren sucht, welche die Dänen mittelst ihrer großen Hauptstadt Kopenhagen und derenCentralisation aller geistigen Kräfte durch reiche Sammlungen und Hilfsmittel, durch Hosund Adel wie durch eine seit Jahrhunderten ihnen von den westlichen größeren Natio-nen, namentlich von Deutschland aus überkommene wissenschaftliche und künstliche Bil- «düng besitzen.
Die Fortschritte, welche Norwegen gemacht hat, zeigen sich in der Zunahme derBuchdruckereien und Buchhandlungen im Lande. Im Jahre 1807 besaß es nur vierDruckereien, jetzt sind allein in Ehristiania 15, überhaupt aber giebt es 37. — Zu jenerZeit erschienen in ganz Norwegen, nur vier dürftige Wochenblätter in den vier Stifts-städten, jetzt 23 Zeitungen und Wochenblätter und überdies 13 ästhetische und gelehrteZeitschriften-—- Sogar bis Transoe und Hammerfest, den äußersten der Finmarken, istdie Druckerpresse gedrungen und verbreitet die Tagesliteratur in die Winkel und Buchtender Fjorde. — Der Anfang zu einer nationalen Kunstsammlung ist im Schlosse zu Ehri-stiania gemacht, in vielen Städten sind Museen errichtet und reger Eifer macht sich durchPrivatvereine geltend, welche zur Unterstützung der Künste zusammenlreten, die Liebezur Musik fördern, die Schauspielkunst begünstigen, Theater bauen und statt der altenrohen Lust an lärmenden Gelagen den Geschmack zu läutern und zu bilden suchen.
Bemerkenswerth ist es, daß unter allen skandinavischen Völkern die Norweger zu-meist sich zu Deutschland gezogen fühlen. — Deutsches Wissen und deutsche Kunst undGesittung erregt ihre besondere Aufmerksamkeit. — Auf Kosten der Negierung reisen öfterbefähigte Männer nach Deutschland, um dort den Zustand der Staatseinrichtungen, derSchulen, der Gefängnisse u. s. w. kennen zu lernen und Bericht zu erstatten. Diedeutsche Sprache wird überall gelehrt, und der gebildete Theil der Nation versteht jenenicht allein und liest deutsche Bücher, Viele sprechen auch deutsch mit Vollkommenheit.
Daß der bei Weitem größte Theil des Volks ein stilles Naturleben in dem rauhen,zum Theil so öden und unfruchtbaren Lande lebt, geht aus dieser Schilderung seiner Zu-stände hervor. Genügsamkeit, Beharrlichkeit und Ausdauer, errungen im steten Kampfemilder Natur, Einfachheit der Sitten, Redlichkeit und verständige Tüchtigkeit sindseine Tugenden; seine Fehler bestehen in Streitlust, Liebe zum Trunk und zur Trägheit