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Norwegen (historisch und statistisch).
zu Skeletten abgezehrt, erholen sich aber dann schnell auf den Bergweiden. — Im Südendes Landes ist naturgemäß das meiste Vieh zu finden und hier ließe sich durch Errichtungvon Meierhöfen viel für die Butter - und Käseindustrie thun, was mehrere deutsche Land-wirthe, die sich angekaust haben, schon mit Glück versuchten. — Die Normänner, an denuralten Gewohnheiten ihres Hirtenlebens klebend, sind bis jetzt darin sehr zurück geblieben,und frische gute Butter wie guter Käse eine Seltenheit in Norwegen, weshalb die Küsten-städte meist diese Products aus Dänemark und Deutschland beziehen.
So ist es auch mit dem Ackerbau. — Weizen kommt nur wenig im Süden vor,Roggen wird etwas mehr gebaut, doch bei Weitem nicht.genügend, für Gerste und Haferist zumeist das Land geeignet, Haferbrod mit Gerste gemischt bildet daher die Hauptnah-rung der Bauern, welche flache, sehr dünne, fadschmeckende Kuchen daraus backen (Flad-bröd genannt), die in den Vorrathshäusern aufgeschichtet auf Jahr und Tag von einerErnte zur andern reichen. — Nur in drückendster Nolh greift man »och zur Beimischung derder Gesundheit gefährlichen Birkenrinde, bei der Zunahme des Ackerbaues und des Wohl-standes ist jedoch das Beckabröd jetzt fast vergessen, auch hak die Regierung die Bereitungdesselben verboten, doch auch der zu häufige Genuß des Haferbrods bringt nicht selten eineschmerzhafte Krankheit hervor. Die Haferstacheln, welche mit eingebacken sind, setzensich in den Eingeweide» fest und bewirken Entzündungen, die das Leben bedrohen können.
Nach den statistischen Tabellen vom Jahr 1835 betrug das jährlich in Eultur gesetzteAckerland in Norwegen 410,650 Tonnen (die Tonne - -10,000 Quadratellen ; 20,736Tonnen auf eine geographische Quadratmeile gerechnet). Blom in seinem 1843 erschie-nenen Werke giebt 417,973 Tonnen Ackerland an, was 29 ,,,4 geographischen Quadrat-meilen gleich käme. Da nun das jährlich besäte Ackerland gewöhnlich als ein Viertel desganzen «rbaren Bodens angenommen wird, so würde dies 1,670,892 Tonnen Landesoder 116,4 Quadratmeilen betragen, was bei einem Gesammtflächenraum von 5571Quadratmeilen ein sehr ungünstiges Verhältniß bildet; denn wenn auch, wie die nor-wegischen Statistiker behaupten, noch ein Mal so viel des Anbaues fähiges Land vorhan-den ist, so würde das Ganze doch nur 232,-2 Quadratmeilen betragen, wobei außerZweifel das beste Land doch schon der Eultur überwiesen wurde.
Der Ackerbau selbst ist sehr verschieden vectheilt. Von den 417,973 Tonnen Frucht-land hat Agerhuusstift allein mehr als die Hälfte (270,111 Tonnen); Christiansand62,750Tonnen; Bergen 36,192; Trondhjemsamt, obwohl unter dem 63. und 64.Gradnördlicher Breite, 62,750; Nordland und Finmarken zusammen nur 14,180 Tonnen —Bemerkenswerth ist, daß der Anbau der Cerealien an der Westküste bis zum 70. Gradhinaufgeht, während er in Sibirien mit dem 60. Grad endet und auch in Schweden nichtüber den 63. Grad Korn gedeiht. — In Tromsöe, unter dem 69. Grad, kommt dagegen»och Roggen fort, Hafer wird am Altenfjord unter dem 70. Grad gebaut.
Den jährlichen Reinertrag giebt Blom durchschnittlich nach den Berechnungen derMatriculiruugs-Commission auf 2,089,865 Tonnen Korn und 2,024,941 Tonnen Kar-toffeln an. — Von dem gewonnenen Getreide sind 56 Procent Hafer, 15 Pcocent Haferund Gerste gemischt, 23 Procent Gerste und 6 Procent Roggen, Weizen und Erbsen. —Nach den statistischen Tabellen für das Normaljahc 1835 werden 2,206,733 Tonnen Ge-treide nachgcwiesen, wovon, die Aussaat mit 410,000 Tonnen abgerechnet, ein Rein-ertrag von 1,796,085 Tonnen übrig bleibt.
Die Ernährung der Einwohner wird damit nicht vollständig bewirkt, wobeidie zunehmende Bevölkerung und der starke Verbrauch an Branntwein, der im Lande ge-brannt wird, in Betracht kommt. Nach Schweigaard wurden von 1821 bis 1830 jähr-lich durchschnittlich 729,069 Tonnen Getreide eingeführt, von 1831 bis 1835 jährlich809,775 Tonnen ; im Jahr 1838 aber, wo Miswachs eintrat, 1,265,604 Tonnen.—Ein bedeutender Theil des Handelsgewinns an der Ausfuhr muß daher jährlich für Ge -treideeinfu hr dem Auslände herausgezahlt werden.
Die Zahl der Ackerbauer hat sich in den letzten Decennien bedeutend vermehrt. Invielen Gemeinden war der fruchtbringende Acker Gesammtcigenthum der Gemein-den und wechselte jährlich den Besitzer. — Dieser uralte Communismus diente jedoch zur