Norwegen (historisch und statistisch). 775
die Silbermünze zu vermehren, und hat an dem Silberbergwerk Kongsberg, welches demStaate jetzt einen jährlichen Ertrag von 30,000 Mark Silber und einen Ueberschuß vonjährlich 200,000 Species liefert, ein treffliches Mittel dazu. — Das Papiergeld, welchesbis zu Zettel vom Werth einer norwegischen Mark, oder y- Species (9 Silbergroschenpreußisch) reicht, wird aber im ganzen Lande gern genommen, und die Hauptbank inTrandspee sowohl wie ihre Comtvire in allen Handelsplätzen haben sehr selten Zettel um-zuwechseln.
Mit Hilfe dieser Bank, ihrer geschickten Operation und des aufblühenden Handelsließ sich nun die Finanzlage und die Wohlfahrt des Landes schnell und glücklich heben. ImJahr 1814 hatte Norwegen an alten, verzinslichen Staatsschulden 1,032,740 Species-thaler zu tilgen, sammt 91,000 Species aufgelaufenen Zinsen, dazu kamen 2,400,000Species, welche der Staat als Antheil an der dänischen Schuld an Dänemark abzutragenhatte; endlich 2 Millionen vierprocentige Staatsobligationen.— Im Jahr 1823 besaßNorwegen noch 5,197,128 Thaler Species Schulden; 1842 waren dieselben aber schonbis auf 2,818,600 Thaler getilgt und gegenwärtig hat es bis auf einen geringen Rest seineganze Staatsschuld abgetragen.
Mit Sorgsamkeit hat der Storthing dabei alle Wunden zu heilen gesucht, welche ernothgedrungen seinen Bürgern schlagen mußte. Er hat die bedrangtenGrundbesitzer unter-stützt, Capitalien zinslos oder gegen geringen Zins ausgeliehen, alle Ausgaben streng über-wacht, gespart wo er irgend konnte und doch dabei die Wissenschaften unterstützt, denHandel durch gute Einrichtungen, durch Dampfschifffahrt um ganz Norwegen, durchAnlegung von Häfen, Straßen u. s. w. gefördert; seit dem Emporblühen der Freiheitaber dafür gesorgt, daß die Bürger Norwegens jetzt nicht mehr die Hälfte derLasten und Abgaben zu tragen haben wie unter der dänischen Herrschaft.
Die Viehzucht und der Ackerbau Norwegens sind durch dessen rauhe Unfruchtbarkeitin keiner allzu hohen Entwicklung. Ungefähr des Landes liegt in der Region des ewigenSchnees, aber auch die Höhe der Gebirge ist durchaus wüst undunbewohnt. Dazukommt die geringe Bevölkerung, welche auf 5600 geographische Quadratmeilen kaum1,300,000 Menschen beträgt; durchschnittlich auf die Quadratmeile 214; rechnet manjedoch die städtische Bewohnerzahl — 130,OM ab, so bleiben nur 191 für jede geogra-phische Meile im Lande. - - Einzelne Landestheile sind allerdings weit stärker bewohnt,namentlich der Süden, wo in den Grafschaften Jarlsberg und Lannergaard 1401 Ein-wohner auf die Quadratmeile kommen, während in Nordland nur 90 und in Simmekennur 30 Menschen auf dieQuadratmeile gezählt werden. — Hiernach richtet sich Viehzuchtund Ackerbau. — Nach Schweigaard's Statistik hatte Norwegen 1835: 113,163 Pferde,644,414 Rinder, 1,028,945 Schafe, 184,518 Ziegen und 82,225 Rennthiere.Blom in seinem Werke über Norwegen giebt dagegen nach den Berechnungen der Com-mission eine weit höhere Zahl an: 122,840 Pferde, 856,380 Rinder und 1,399,310Schafe und Ziegen. Sicher ist es aber, daß trotz der vielen Alpen- und Bergweidenjährlich Fleisch, Butter und Käse in bedeutenden Quantitäten in Norwegeneingeführt wird, wie die unten stehende Tabelle dies nachweist, welche den Beweisliefert, daß die Viehzucht nicht hinreicht, um mit ihren Produkten für den Bedarf der Na-tion zu sorgen.
Die Ursache, weshalb die Viehzucht nicht höher steigt, liegt in dem Futtermangelwährend des langen Winters. In den meisten Gegenden liegen die Weiden oft viele Mei-len weit von den Höfen und Kirchspielen, wo die Heerden den Sommer über bleiben. Esist meist schwer und häufig unmöglich, genügenden Heuvorrath zu sammeln und in dieThäler zu schaffen, um so mehr, da nur auf Pferden oder auf den Köpfen der Menschendie Grasbündel von den Spellen herunter gebracht werden können.
Das Vieh lebt im Winter größtentheils von Blättern, Moos, Birkenzweigen, vomAbfall der Haushaltungen, selbst von Pferdemist, an den Küsten auch von Fischabgängenund bei Noth von den Strohdächern der Wohnungen, wo dergleichen sind, denn meist be-stehen die Dächer aus Holz, das man mit Steinen und Erde belastet. Der dürftige Acker-bau liefert wenig Stroh zu Fütterung, und meist, wenn der Frühling kömmt, sind die Thier«