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Norwegen (historisch und statistisch).
Bevölkerung im größten Theil des Landes, welche wenig consumirt, ihre Kleidung selbstwebt und in ihren Einsamkeiten meist zufrieden bei Haferbrod und Milch lebt, merktnichts von den Steuern, welche auf alle Waaren geworfen sind und diese vertheuern.Sollte jedoch einmal durch Krieg oder andere Umstande die Einfuhr und Ausfuhr sich be-deutend vermindern und Handelsstockungen herbei führen, so würde die Erhaltung desStaatshaushalts in große Bedcängniß gerathen und der Fehler sich deutlich genug Heraus-stellen, welchen man durch Aufhebung aller directen Steuern gemacht hat.
Die Gemeindesteuern sind an manchen Orten, namentlich in den Städten, dagegenoft sehr drückend, besonders zu Zeiten, wo durch Noth veranlaßt hohe Armenabgaben e>n-treten, die durch Heranziehung aller Bürger nach ihren Vermögensumständen aufgebrachtwerden müssen.— In Bergen, wo die Gemeindelasten am höchsten sind, zahlten im Jahr1845 mehrere Handlungshauser und Beamte bis 500 Species (das reiche HandelshausKunow und Sohn sogar 1697 Species) an Gemeindelasten. — Diese ungemein hoheBesteuerung trifft zwar nur die reichsten, allein sie giebt den Maßstab, daß ein großerTheil der Bewohner nichts oder wenig geben kann, oder unterstützt werden muß, was aller-dings auch der Fall ist, denn Norwegen ist an sich arm und kann bei dem Mangel anIndustrie und der Ungunst so vieler Verhältnisse seiner Natur, seines Klimas und seinerLage nur durch die thatigste Benutzung aller seiner Hilfsquellen gedeihen.
Daß dies geschehen ist, und mit welchem Opfer die Nation sich zu ihrer jetzigen glück-lichen wohlgeordneten Finanzlage heraufgearbeitet hat, beweist die neue Geschichte Nor-wegens. '— Als es sich 1814 von Dänemark trennte, war cs gänzlich ausgesogen, dasLand war mit 25 Millionen Zetteln überschwemmt, Silber fast gar nicht vorhanden.Der Krieg um die Freiheit hatte abermals 14 Millionen gekostet, welche die Papiergeld-masse vermehrten, denn nirgend konnte man borgen; dazu bestimmte der 6. §. des KielerTractats, daß Norwegen einen verhältnismäßigen Theil der dänischen Schulden überneh-men sollte. — Als Unterpfand für die ganze Schuldenmasse des Landes waren nur 4^ Mil-lion Species als Werth des Grundeigenthums vorhanden. Die Zettel verloren daherallen Werth, selbst als die Nationalversammlung das Versprechen leistete, sie in bessererZeit zu 375 Procent gegen Silber einzulösen. — Im Jahr 1815 war die Noth aufsHöchste gestiegen, man mußte daher an ein energisches Rettungsmittel denken, zu dessenEcgründung der Bauernstand zwar keine geeignete Finanzbeamte, aber viele praktische undpatriotische zum Aeußersten entschlossene Männer besaß. Man sah ein, daß man einMittel schaffen mußte, das Papier gegen Silber einzulösen, sobald der Inhaber es begehrte.Um nun dies zu können, wurde der verarmten Nation eine Zwangsanleihe von 2 Mil-lionen Speciesthaler aufgebürdet, die den Grundfonds einer neuen Bank bilden sollte,welche dafür vier Millionen Bankzettel in Speciesthalern sundicte und auögab.— Diealte Zettelmaffe sollte damit eingezogen werden und 10 Reichsbankthaler-Zettel für einenThaler Species der neuen Bankzettel gelten. Zur Deckung dieser Operation wurde eineaußerordentliche Steuer von 2 Millionen Reichsbankthalern ausgeschrieben.
Eine so gewaltsame Maßregel griff tief in Eigenthum und Familienglück und brachteviel Elend und Verderben mit sich. Die Harte schien jedoch unabwendbar zum Wohle desGanzen, und wenn irgend etwas das schnelle Aufblühen des Staates begründen half, sowar es diese gezwungene Bankoperation, deren spatere schwankende Durchführung, inFolge der lauten Klagen der Bedrängten, mehr Schuld an dem vielen Familienunglückhatte als die volle Strenge des Gesetzes.
Schon im Jahr 1818 erhoben sich die Zettel der neuen Bank fast auf pari, dochtraten bis zum Jahr 1823 Schwankungen ein, wo der Storthing endlich die Auswechs-lung zum Eourse von 195 Procent befahl. Von jedem folgenden Storthing wurden danndie Eourse herabgesetzt, der Unterschied gegen Silber wurde immer geringer, bis im Jahr1842 die Pariauswechslung gesetzlich sestgestellt wurde. — Der Grundfond der Bank istnicht allein jetzt vollzählig, sondern hat sich durch einen Reservefond von 725,914 Speciesvermehrt, und die Geschäfte dieser norwegischen Nationalbank, welche eine Zins-, Leih- undDepositobank ist, sind so einträglich, daß ihre Actien auf 150 Procent gestiegen sind und7 bis 8 Procent tragen. — Seit dem Jahr 1840 ist man darauf bedacht gewesen, auch