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Namen verschwanden. Man nahm ihrer viele in die Kalender auf; noch mehr habensich als Familiennamen erhalten."
„Nachdem der Gebrauch, den Kindern Heiligennamen zu geben, allgemein gewordenwar, mußten Irrungen über die Identität der Personen entstellen, da es natürlich mehrlebende Menschen als Heilige im Brevier oder Kalender giebt und man immer doch nurEinen Namen führte. Nebenbezeichnungen wurden unerläßlich. Die älteste ist die derAemter, welche die Ministerialen von den Königen, Fürsten, Bischöfen und Aebten zuLehen trugen. Jetzt wußte man nun zwar, vom 11. Jahrhundert an, daß PetrusSchenk und Paulus Kämmerer war; da aber die Urkunden selten sagten, wessen Schenk,Kämmerer u. s. f., so ist die Familienfolge nicht viel klarer gestellt. Erst im 12. Jahr-hunderte werden die adeligen Familien nach den Orten ihrer Wohnung oder Herstam-mung benannt. (Es sind namentlich in Rheinbaiern wenig alte Orte, welche nicht einersolchen Familie den Namen geliehen hätten.) Daher stammt auch das Wörtchen von,und man hätte es vor Alters spaßhaft gesunden, es einem anderen als Ortsnamen vorzu-setzen. In den Städten, in welchen viele Adelige beisammen wohnten, bezeichnet« manden Stadttheil, wo das Wohnhaus lag, oder den Schild des Hauses. (So z. B. inSpeyer die „Vor dem Münster," „An dem Thor," „Salzhof," „Retscheln," die „zurTraube," „Krone" rc.) In den Dörfern selbst, wo die Familien sich in mehrere Aestetheilten, nahmen die einzelnen Zweige Beinamen an, die man als den Ursprung derFamiliennamen ansehen kann. Viele derselben erinnern an den französischen Kalender lvon 1793. Da erscheinen Hunde und Hasen, Hühner und Gänse, Ochsen und Esel,Lerchen und Böcke, Knoblauch und Schnittlauch in buntem Gemische. Etwas seltsa-men Geschmack oder großen Uebermuth verrathen Namen wie „Habenichts von Landau",„Uebelhirn von Böhl", „Landschaden von Steinach", „Schelm von Bergen" rc."
„Gegen Ende des 12. Jahrhunderts kamen die Ritterschlösser in Mode und erhieltensich darin, zur Klage des Volkes, drei ganze Jahrhunderte lang. Da entstanden dieNamen von Berg und Burg, von Stein und Fels, denen man gern Drachen und ^Greife, Geier und Falken, Bären und Wölfe beigesellte. Die eiserne Hand des Faust-rechts lastete auf dem Zeitalter; die Rohheit der Sitten fand schon in der Barbarei derNamen ihre Beurkundung."
„Und dennoch immer keine Stetigkeit in den Familiennamen. Man wechselte siemit dem Besitzthum. Mehrere Eigenthümer derselben Burg benannten sich darnach.Aber selbst die bloßen Hüter, die Castellane und Burgmänner führten davon den Namen.Erst im 15.. Jahrhunderte gelangten die Familien zu festen Namen. Die bisherigenwaren mehr Bezeichnungen."
„Von Bürgern und Bauern findet man Namen, die wie Familiennamen lauten,im 13. Jahrhunderte. Doch wird es wenig bürgerliche und briefadelige Familien geben,die ihre Namen über das 16. Jahrhundert hinaus verfolgen können."
Zur Vervollständigung dieses Aufsatzes hier noch ein paar Bemerkungen. Die Alle-mannen scheinen als Bezeichnung der Tapferkeit, der Vorzüglichkeit u. s. f. den Namenihrer Häuptlinge noch eine besondere Silbe: „m a r" angefügt zu haben. Vielleicht be- jurkundete diese angehängte Silbe auch, wie I. P. Richter vermuthet, den Rang selbst.
In späterer Zeit, als es gewöhnlich ward, sich nach seinem Besitzthum oder Wohn-orte zu nennen, bildeten Gelehrte oft eine Ausnahme, indem sie sich nach ihrem Ge-burtsorte nannten, selbst wenn sie nicht mehr daselbst wohnten noch dort ein Besitz-thum hatten (z. B. Johann von Mutterstadt). Eben so pflegten es, wie aus dem fran-zösischen Geschichtschreiber Uerersi zu ersehen, auch getaufte Juden zu halten.
Wer in früherer Zeit seinen Namen von einem Lehen führte, verlor denselben wohlauch mit jenem Besitzthume; der nachfolgende Eigenthümer nahm ihn an, wenn er auchgar nicht mit der Familie des früheren Eigenthümers verwandt war.
Selbst nachdem feste Familiennamen entstanden waren und man sich auf den Besitzdieses oder jenes Namens Etwas zu Gute that, kamen Fälle in Menge vor, die beurkun- .den, daß der Besitz eines solchen Namens noch keineswegs die directe Abstammung von sDemjenigen beweist, der denselben zuerst zu Ehren brachte. / Abgesehen davon, daß der >