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9 (1847) [Men - Nor]
Entstehung
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Namen. Z39

leitet war und den es bei wichtigen Veränderungen z. B. wenn es eine vorzüglichbemerkenswerth scheinende oder ausgezeichnete Handlung vollführt hatte mit einemhierauf hinweisenden oder daran erinnernden andern Namen vertauschte. Selbst beidem schon hochgebildeten Volke der Griechen hatte jeder Einzelne nur einen Namen;der Enkel bekam häufig den des Großvaters; aber Familiennamen (die allen Ungehörigeneiner und derselben Familie nach unseren Begriffen gleichsam angeboren sind) kannte mannicht. Ganz anders bei den Römern. Hier finden wir: nowen, cognomen,prssnomen und sgnom«n. Der erste Name bezeichnet die Familie (daß Einer z. B. demGeschlecht« der Fabier angehöre); der zweite die Linie (brsncde) dieser Familie, wes-wegen er dem nvmen unmittelbar nachgesetzt oder angefügt ward; der dritte war der derPerson ausschließlich angehörende Name, den man den anderen Namen voransetzte; dervierte war ein Beiname, welchen man einem Bürger wegen einer ausgezeichneten Thatoder Eigenschaft beilegte (z. B. Scipio der Afrikaner); ja wir finden wohl sogar zweiBeinamen, so daß ein einzelnes Individuum selbst fünf Namen vereinigt führte, z. B.Publius Cornelius Scipio Africanus Aemilianus: dieser war nehmlich der Sohn desLucius Aemilius Paullus und von einem Scipio adoptirt; er hatte nun den ersten Namenals ihm ausschließlich angehärenden, ihn vor allen Anderen seiner Familie auszeichnen-den, wenn man will, als Vornamen; den zweiten und dritten führte er in Folge derAdoption; den vierten seiner Thaten in Afrika wegen, den letzten als Familiennamen,zur Beurkundung seiner Familienabstammung.

Was die Entstehung und Ausbildung der Namen bei den germanischen Völ-kern betrifft, so geben wir nachstehend eine von einem verstorbenen Freunde des Verfas-sers dieser Zeilen herrührende Notiz*), der wir nur noch einige Bemerkungen anfügen:

Die successiven Veränderungen in den deutschen Personennamen würden Stoff zueiner eigenen Geschichte liefern, die ein Theil der Kulturgeschichte des Volks wäre. Diealten Deutschen kannten keine Familiennamen, wie wir sie heute führen oder wie dieRömer sie hatten. Taufnamen, im heutigen Sinne, wo dem Kinde der Name einesHeiligen beigelegt wird, waren gleichfalls nicht gebräuchlich. Eben so wenig befolgteman hierin den Gebrauch der Juden und der heutigen Russen, bei welchen der Name desVaters mit jenem des Kindes verbunden wird. Vielmehr erhielt, wie bei den altenGriechen, jedes Kind bei seiner Geburt einen einzigen Namen, der bei jedem Falle**)erfunden worden sein muß, ihm ganz eigenthümlich angehörte und der ein nomeo pro-prium im eigentlichen Sinne war. Die deutsche Sprache erwies sich zu einer solchenVervielfältigung der Namen besonders geeignet. Man durfte nur einer oder zwei will-kürlich gewählten oder gebildeten Sylben ein ar, or, ald, old, olf, ulf, bald, bert, dold, fried,ger, g!s, gol, gang, gung, goz, hard, Helm, her, hoch, ling, mann, mar, mund, rich, wig,ung rc. rc., bei den Weibernamen ein a, brath, rad, Heid, hild, gard, lind, lieb, suint, trud,war rc. rc. beisetzen, um Millionen Namen neu zu bilden."

Man wußte also nur von einem Namen. Er unterschied hinreichend das Indi-viduum, weil ec nur selten und zufällig mehreren Personen angehvrte. Doch war es,und zwar ebenfalls wie bei den Griechen, Sitte, einem der Enkel den Namen des Groß-vaters, seltener des Vaters, beizulegen. Die Familie Heerstall oder der sogenanntenKarolinger mag als Beispiel gelten. Die Stabilität dieser Namen in mancher Fami-lie erleichterte manchmal die Nachforschung ihrer Abstammung. Noch einige wenigerömische Namen kommen in den Rheingegenden unter Karl dem Großen vor. Einigebiblische Namen erscheinen. Denen der jüdischen Apostel gesellen sich später die der soge-nannten deutschen Apostel bei. Sie bahnten den Namen der Heiligen den Weg, derenReliquien die fromme Andacht unserer Altvordern zur Verherrlichung und Bereicherungder Klöster über die Berge schaffte. Es dauert? aber noch lange, ehe die alten deutschen

*) Von dem verstorbenen Regierungsrathe Ldw von Speyer.

**) Diese Angabe unterliegt in so fern einer Beschränkung, als man Kindern wohl auchden Namen des Großvaters beilegte, wie der Verfasser sogleich selbst sagt.

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