312 Münzwesen.
rechtfertigen. Wenigstens wurde im Jahre 1803 bei der Verhandlung über das neuefranzösische Münzgesetz im Tribunale von Seiten der Regierung zugestanden, daß derauf -zWn angegebene Feingehalt der Münzen sich durchschnittlich nur auf 899,herausstelle. Indessen ist eine solche Abweichung zu gering, um an sich zu Münzunord-nungen Anlaß geben zu können.
Eine andere ungleich wichtigere Zeitsrage ist dagegen, ob es, zu Beseitigung derLouisd'orwirre nicht rathsam sei, in den Zollvereinsstaaten, wie eine Vereinssilbermünze,so auch eine Vereinsgoldmünze, und zwar um der besseren Berechnung und Ausgleichungwillen, in dem Betrage von 4 Thalern und 8 Thalern auszuprägen. Ehe jedoch zu einernäheren Erörterung dieser Frage geschritten werden kann, muß zunächst der Standpunktder Dinge, wie er sich gegenwärtig in Betreff der Goldmünzen in Deutschland herausge-stellt hat, kürzlich besprochen werden.
In früheren Zeiten wurden an Goldmünzen in Deutschland Goldgulden und Duca-ten geprägt, zu denen in dem Anfänge des 18. Jahrhunderts in Baiern nochMaxd'oroder doppelte Gvldgulden, und in mehreren Staaten Süddeutschlands Carlsd'or, Caro-lins oder dreifache Goldgulden kamen.
In Norddeutschland dagegen sing man gegen das Ende der ersten Hälfte des 18.Jahrhunderts an, nach dem Beispiele der spanischen Pistolen, Goldstücke von 10 Tha-lern, 5 Thalern und 2^ Thalern auszuprägen, unter denen seit 1750 die preußischenFriedrichsd'or wegen ihrer größeren Menge das Uebergewicht erhielten und sich dasselbedurch ihren etwas größeren Feingehalt von 21A Karat, während andere Goldmünzen ähn-licher Art nur 21Z Karat oder noch darunter seines Gold in der rauhen Mark enthielten,sicherten. Der Werth dieser Goldmünzen wurde indessen trotz dieser Verschiedenheitgleichmäßig auf lO THaler, 5 Thaler, 2^ Thaler bestimmt. Fünf und dreißig Fried-richsd'or gingen auf die rauhe Mark, wonach die feine Mark Goldes in 38Z^ Stückenenthalten war.
Weil indessen alle andere Goldmünzen zu 5 Thalern im Handel zu gleichem Coursemit den Friedrichsd'or umliefen, so wurde bereits im Jahre 1770 der Feingehalt dersel-ben um ein Grän vermindert und auf 21Z Karat festgestellt und es sind deren in Preußenseit 1764 für 70,000,000 Thaler ausgeprägt worden. Nach der eingetretenen Vermin-derung des Feingehaltes war allerdings die feine Mark Goldes nicht mehr in 38A^, son-dern erst in 38^ Friedrichsd'or enthalten.
Alle diese Goldmünzen wurden zwar in den Cassen zu dem festen Preise von 5 Tha-lern ausgegeben und eingenommen, aber im Handel hatten sie keinen festen Preis; siewurden als Waare betrachtet und konnten steigen und fallen. Sie stiegen daher mit demPreise des Goldes und erlangten, als durch Englands Uebergang zu der Goldwährungderselbe sich bedeutend höher stellte, endlich einen ziemlich dauernden Cours zu 5I Thalernpreußischen Courants. Daher wurden in Preußen die Friedrichsd'or bei den Cassen seit1831 zu dem festen Course von 5A angenommen und ausgegeben.
Die übrigen goldenen 5 Thalerstücken hingen sich diesem Preise an. Indessen wur-den nunmehr nicht nur/ besonders seit 1826 in Dänemark und seit 1834 in Hannoverund Braunschweig, dergleichen Stücken in großen Massen ausgeprägt, sondern es wurdeauch der Feingehalt derselben in diesen Ländern auf 21 ^ Karat herabgesetzt und somitum 2 Grän gemindert, so daß erst in 39^2 und in 39^»» Stücken eine feine Markenthalten war. Da sie sich nun dessen ungeachtet zu dem Course von 5I Thaler erhieltenund somit einen Gewinn abwarfen, so wurden fortan, besonders als im Jahre 1838 vielGeld für Getreide aus England nach Deutschland kam, sehr große Massen solcher Pisto-len geschlagen und in Umlaus gesetzt.
Als sich nun, in Folge des Zuströmens großer Geldmassen, in Deutschland derGoldpreis, der übrigens schon seit 1830 allmälig etwas gesunken war, gegen das letzteViertheil des Jahres 1839 plötzlich um fast 1 Proc. niedriger stellte, da ergriff die Pisto-len- oder Louisd'orbesitzer ein panisches Schreckenjeder wollte sie loswerden, keiner siezu dem zeitherigen Course annehmen, und sie fielen daher in kurzer Zeit um fast 4 Proc.,also auf ihren Werth als Tiegelgut zurück. Die preußischen Friedrichsd'or wurden nicht