Druckschrift 
7 (1847) [Hex - Jus]
Entstehung
Seite
359
Einzelbild herunterladen
 

Ideen. 359

das Erdorrte neu begrünte. Uber diese Brunnen fließen nicht mehr so reichlich, seit dieCultur die alten Wälder ausgerottet und die Pflugschar die wilde Erde den Menschengezähmt. Dagegen aber hat dieselbe Cultur die Gemeinschaft mit einer andern Welt er-öffnet, die durch geistige Kräfte jene verstechende Naturkraft ersetzt und bei den Um-wandlungen derStaaten ihre Dienste versteht. EsistdiesjenegeheimnißvolleJdeenwelt,die nach alter Lehre erfüllend die unendliche Tiefe des Geisterreichs und gleich dem Aether-himmel über unserm Selbstbewußtsein ausgespannt, in alle Klüfte der Unterwelt ihr Lichtniedergießt und alle Gestaltungen beseelt. Wie aus dieser Welt, nach eben jener Lehre,die Seelen in die Materie niedersteigen, ein zeitliches Leben hienieden führen und dannwieder zur Heimath kehren: so sind es eben die ihr entstammenden Ideen, die die Staa-ten als ihre eigentliche Begeistigung Zusammenhalten , mit der Geisterschwere sie in sichverbinden und mit dem geistigen Lichte sie durchleuchten und also gebunden im rechtenMaße durch die Materie, und unsichtbar selbst, durch sie zur sichtbaren Darstellung ge-langt, als die inwohnende plastische und erhaltende Kraft das Leben fördernd in seinerDarstellung sich verlieren. So aber nun die Stufenjahre dieses Lebens durchlaufen sind,und der Staat veraltet, vermag er nicht ferner die inwohnende Id e e zu fassen; sie, dievorher latent in ihm gewesen, wird nun frei und strahlend, und in dem Maße, wie sienun jenem geistigen Reiche verwandt sich fühlt und andere ihr gleichartige Ideen zu sichherniederzieht, wird sie dem bestehenden Materiellen mehr entfremdet; und sie, die vorherdie Erhalten» gewesen, wird nun zerstörend und löst, weil sie ein neues Haus sich zubauen vorgenommen, von Innen heraus alle Banden des alten Organismus auf, damitder neue zum Werden Raum gewinne. So geschieht es, daß in solchen Übergangs-zeiten Geistesblitze zuckend durch die ganze Gesellschaft fahren und in einem Nu alle Köpfewie ein Cvntagium entzünden; man weiß nicht, wie der zündende Gedanke sich verbreitet,geschieht es durch den Athemzug, durch ein gemeinsames, Alle verbindendes Medium,ist's Sprache, oder Bild, oder sonst eine geheime Sympathie? kurz, alle Menschen sindplötzlich eines Sinnes worden und je mehr man der Fortpflanzung zu wehren sich bemüht,um so schneller verbreitet sich die Flamme. Das ist die losgebundene Begeistigungdes Staatsvereines, die nun, frei von ihrem Bande, schwärmt und erst wie jenefeurigen Zungen auf den Häuptern der Organe der Zeit sich niederläßt und dann von dain lichten Schimmer aufgelöst durch die Pforte der Sinne einzieht in alle Geister, um siezum neubegvnnenen Werke zu weihen. Darum ist es allerThorheitenunver-zeihlichste, dies große Schöpfuugswerk zu stören und mit denJdeen sich Kampfeszu unterwegen; noch Keiner hat gesiegt, der verwegen solchen Streitgesucht. Läßt man sie ruhig ihrer Arbeit pflegen und begünstigt ihr Thun durch eingeschicktes Entgegenkommen, dann führen sie von Innen heraus ruhig durch allmäligeMetamorphose die Umgestaltung und Verjüngung aus, abstreifend nur, was unnützgeworden und erstorben, und siedeln sich dann friedlich im neuen Baue an. Wenn manaber, statt nach des Zeidlers Weise durch abgemessene sonore Klänge ihrem Thun nurTact und Harmonie zu geben, sie in plumper Weise stört und irrt, dann werden die In-stinkte wild und in sich ergrimmt und es hebt sich ein zorniges Brausen in dem Stocke;und es kommt ein scharfer Krieg aller Leidenschaften; es treibt mit allen Trieben zur Ge-waltthat und zu allgemeinem Umsturz und es geht der Ruf aus durch alle Lande: dasSchwert der Ideen über Alle, die da Widerstandes sich unterwin-den! So sind also auch uns, da der Laus der Zeiten uns an einen solchen Uebergangs-punkt geführt, zwei Wege aufgethan, um ihn zu vollführen, entweder indem wirkenIdeen auf jene ruhige Weise in friedlichem Vertrage in unserer Mitte die Ansiedelung er-lauben ; oder indem wir uns von ihnen gewaltsam durch eineRevolution auf Gnadeund Ungnade erobern lassen. Es ist nicht zu verkennen, daß der seitherige Gang derDinge stark auf die letzte Seite hingeneigt; daß man den Hexenkessel, in dem man mitGewalt diese Zeit wieder jung kochen will- mit den Giften aller Reiche und mit allen bösenZauberkräutern angesetzt und bei lustigem Feuer ihn fleißig im brodelnden qualmendenSud erhält, bis endlich die ersehnte Mitternachtsstunde ausgeschlagen. Auch sind die