Druckschrift 
7 (1847) [Hex - Jus]
Entstehung
Seite
338
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338 Hansa. !

genz, das kaufmännische Capital seiner Ausgewanderten hat den Großhandel, den Welt-handel zuerst in unsere Mauern eingeführt und die wichtigsten öffentlichen Institute beiuns gegründet. Das Alles aber war ein Gegensatz zu der alten, abgeschlossenen Han- -fischen Strenge. Es war vielleicht mehr ein zutreffender Jnstinct als ein klares Bewußt-sein, wenn Hamburg viel früher als Lübeck das Wesen der neuen Zeit erkannte.Daß es in dieser Erkenntniß schon vorgeschritten war, beweist seine Politik, die den Lü-beckern so viel Herzeleid machte, daß Lübeck nicht Worte genug fand über den schändlichenEigennutz, in welchem die fürnehmsten Bundesglieder sich losreißen, ja, daß es erklärte, eswürde selbst aus dem Bunde scheiden, in welchem die alte Gesinnung nicht mehr wohne,wenn es nicht durch die Macht der alten Erinnerungen in treuer Pflichterfüllung sich ge- jKunden hielte.

Lübecks System ward von Jahrzehent zu Jahrzehent mehr eine Unmöglichkeit. InBezug auf England würde das Hamburgische System Ausnahme der Engländer unterden gleichen Bedingungen wie die der Deutschen in England- einer billigen und anstän-digen Reciprocität entsprochen haben, wie sie im Grunde nach dem Utrechter Frieden gar ^

nicht geweigert werden konnte. Aber dann hätte die Hansa einmüthig und aufrichtig zudiesem Systeme sich bekennen und ernstlich darüber wachen müssen, nicht allein, daß denDeutschen in England jede billige Gunst gesichert bleibe, sondern auch, daß die Zulassungder Engländer in Deutschland nicht zu Misbräuchen führe und nicht unter Beeinträchti-gung der Deutschen zu einseitiger Bevorzugung der Engländer ausarte. Noch war dieZeit, wo man eine ehrenhafte Mitbewerbung unter gleichen äußeren Bedingungen antretenkonnte. Die Hansa mußte auf das unhaltbare Monopol verzichten, nicht aber es sich ausden Händen winden und in die Hände der Engländer übergehen lassen. Wenn aber E i n -zelne die zu hoch gespannten alten Ansprüche fallen ließen, wenn Einzelne die Eng-länder bei sich aufnahmen, so konnten nicht allein sie selber dem Schein der Eigensuchtnicht entgehen, sondern die Vertheidigungslinie war durchbrochen, mittelst deren rüanhätte retten können, was billig und zeitgemäß war, und jede Achtung gebietende Einheitwar verschwunden, durch welche die Deutschen ihr Verhältniß zu England auf der ver-tragsmäßigen Basis voller Reciprocität hätten feststellen mögen. >

Das Reich bot eine solche Einheit ein für alle Male nicht dar. Man sah es wiederrecht deutlich, als 1582 die Sache an den Reichstag kam. Im 12. Bande von Häberlin'sReichshistorie sind die Verhandlungen zu lesen. Die Kurfürsten wollten's erst mit einerGesandtschaft (aber wer sollte die Kosten tragen?), dann mit dem Ernst versuchen: dieEngländer, hieß es, würden ihre Tücher, wegen der großen Menge, über zwei Jahre nichthalten können. Die Städte waren dafür, mit dem Ernst anzufangen: augenblicklicheSuspension der englischen Kaufleute, wo sie im Reiche sich finden möchten, das seiderKeil, um die Königin zur Gebühr zu treiben." Am 16. Sept. 1582 erfolgte ein- !hellig das Reichsgutachten, augenblicklich den Adventurern überall im Reich die !Handlung niederzulegen. Das kaiserliche Mandat aber ward erst im Jahre 1597 wirk- !lich erlassen! Beim Reichstag in Augsburg war ein englischer Gesandter, George Gil-pin, eingetroffen. Auf seine Argumente läßt die Mahnung des Stahlhosschreibers !schließen, wenn er auch den Städten die Nothwendigkeit vorhält,durch sothane hübsche,lustige und schöne Verehrungen die Augen und Gemükher der Herren zu belustigen." Inder Zwischenzeit waren die Adventurer vorübergehend wieder in Hamburg erschienen; derRath von Stade hatte ihren Besuch durch eine eigene Gesandtschaft erbeten und einen Hof,eine Börse, eine Kirche für die Engländer in Stade einzurichten verheißen, mit der Entschuld!- ,

gung an den Hansetag:der allmächtige Gott weise ihnen einige Nahrung zu, damit dieBürger ein Stück Brod kriegen und sich des Hungers erwehren möchten." In der Zwi-schenzeit hatte ferner Elisabeth im Tajo 60 hansische Schiffe weggenommen: es war 1589,in der Siegesfreude, weil die spanische Armada nach allen Winden verweht, und dieSchiffe stärkten den Spanier mit Getreidezufuhr. Wismar war sehr kriegerisch und auchder Kaiser erließ (acht Jahre später) das Mandat, was die Vertreibung aller Eng-länder binnen drei Monaten gebot und die Ausfuhr der Wolle aus dem Reiche untersagte. ,Nun warElisabeth beleidigt: sie nahm den Stahlhos weg; am 4. August 1598 schrie-