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7 (1847) [Hex - Jus]
Entstehung
Seite
332
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232 Hansa.

lenz der Betroffenen, das waren so viele Zeichen der Zeit; nachdem wir den Abfall derbritischen und spanischen Colonieen gesehen, ist es uns ein Leichtes, sie zu deuten; dürfenwir deshalb die alte Hansa der Kurzsichtigkeit anklagen, wenn sie es nicht verstand?

Und die Wahrheit zu sagen, es war nicht allein in Be^ug auf die Colonialpolitik, daßdie neue Zeit an die Pforte zu klopfen begann. Der gesummte Verkehr strebte, der Lei-tung nach bestimmten Linien und auf bestimmte Punkte hin, überhaupt der Bevormun-dung sich zu entwinden. Die Ordnung des Comtoirs in Brügge in Kraft zu halten, demStapel in Brügge, den daselbst eingerichteten Controlen den gestimmten westlichen Ver-kehr der Hansa zuzuführen, ward allmälig ein Ding der Unmöglichkeit. Die Zeit nahte jheran, wo überall das abgeschlossene, althergebrachte Wesen der Factor ei dem buntenTreiben derBörse des freiwilligen Sammelplatzes aller Nationen und Zungenweichen sollte. Die Auffindung neuer Handelswege kam hinzu: Antwerpen war von denPortugiesen zur Niederlage ihrer ostindischen, auf dem Seeweg vermittelten Zufuhrenauserkoren; so bildete sich in den Niederlanden selbst ein Mittelpunkt von stärkerer An- jziehungskraft, und als endlich der hansische Stapel (1540) von Brügge nach Antwerpenübergesiedelt werden sollte, da ward man inne, daß der Stapel sich überlebthabe.

Diese Tendenzen alle bedrohten das alte System der Hansa. Nur die Macht desBundes, nur die Ostseeherrschaft hatte es bis jetzt noch getragen. Es bedurfte keinerSehergabe, um zu begreifen, daß es mit der Ostseeherrschaft fallen müsse, unabänderlichund für immer.

Und nun verletzen wir uns auf den Augenpunkt der Beherrscher der skandinavischenReiche. Was von den Niederländern und von den östlichen Bundesstädten gesagt worden,das gilt von ihnen in verdoppeltem Maße. Ihr eigener Seepaß, der Sund, war unterder Controls einer fremden Gewalt. Auf ihren Markten herrschte das faktische Monopolder Hansa. Es war gar nicht das Unklugste, was der tolle Christiern ersonnen, wenn erder klugen Sigbrit, der Mutter seiner Düveke, nachsprach, daß man mit den Nieder-ländern gute Freundschaft halten und Kopenhagen zur Stapelstadt des Norden erheben !müsse. Aber er verstand nicht, die Union zu leiten und die vereinte Macht dreier König- !reiche auf den einen Punkt aus dies skandinavische Nationalinteresse zu concentriren.

Die Hansa dagegen ging noch der altüberlieferten Politik nach, daß man trennen müsse,um zu herrschen. Mit den Revolutionen der nordischen Reiche stand der Umschwungder hansischen Macht in engem Zusammenhang. Dort im Sunde, oder in dessenNähe mußten die Würfel der Entscheidung fallen.

Wer das alte System der Hansa jetzt noch festhalten wollte, der hatte den verschie-denartigsten Elementen Trotz zu bieten: den Anforderungen einer neuen Zeit, der natio-nalen Entwickelung der skandinavischen Reiche, dem entfremdeten, separatistischen Sinnder östlichen Pflanzstädte des Bundes, endlich den Interessen der zähen, unbeugsamen,nicht zu ermüdenden Niederländer. Und diese Niederländer waren dazumal UnterthanenKaiser Karl's V., in dessen Reichen die Sonne nicht unterging und derlieber drei Königs-kronen missen wollte, als daß seine Burgunder sollten vom Sunde ausgeschlossen bleiben."

Dennoch fand sich ein Mann, der allen diesen Gegnern den Handschuh hinwarfJörgen Wullenweber, den eine demokratische Bewegung inmitten der kirchlichenUmwälzungen rasch auf die höchste Stufe der Ehren in seiner Vaterstadt Lübeck emporge-hoben hatte. Es ist lächerlich, daß die Geschichte so lang ihn als das Urbild eines großenDemagogen und sein Schicksal andern Volksmännern zum abscheulichen Exempel darge- . '

stellt hat. Seine Feinde haben seine Geschichte geschrieben und die Kunden dessen, waser gewollt, entstellt oder vernichtet. In Lübeck selbst fließen die Quellen für die Würdi-gung seiner Politik am spärlichsten. Doch ist es nicht gelungen, alle zu verschütten. Niehat ein Einzelner kühner und gewandter zugleich für die Interessen seiner Heimath gestrebt.

Man muß gestehen, daß die Zeitumstände, wenn man das Herz hatte, sie zu be-nutzen , den Plan zu begünstigen schienen. Gustav Wasa war durch die Lübecker auf denschwedischen Thron gesetzt; Friedrich, Herzog von Holstein, konnte nur durch den Bei-stand der Lübecker sich auf dem dänischen Thron behaupten. Wenn jemals, so war