15
Hippolytus a Lapide.
ger und zur Abwehr gefährlicher Spaltungen und Gegensätze und Einmischungen fremderMächte und ihrer Interessen. Im einfachen Staate sind die Bande zwischen Regent undUnterthanen und die patriotischen Gesinnungen viel stärker, die Gefahren viel geringer.Der Bürger kann viel leichter Vertrauen fassen zu seiner Landesregierung als zu vielenihm fremden Regenten. Diese haben gegen einander und gegen die Unterthanen andererBundesstaaten viel mehr Eifersucht und dem Gemeinwesen fremde Interessen und Gesichts-punkte. Uebcigens weiß auch Pufendorf andere wahre Gebrechen des Reichs genugzu enthüllen und auch manche zeitgemäße Rathschläge zu ertheilen.
Noch eine Betrachtung drängt sich gleichmäßig bei beiden bisher besprochenen Schrif-ten auf. Dieses ist die ganz ungemeine Freimüthigkeit, mit welcher beide Schriften alleGebrechen des vaterländischen Zustandes, mit Spott und Ernst, selbst ohneSchonung derPersonen, enthüllen, und womit sie ihre Resormvorschläge machen, ohne daß dieses einHinderniß war, daß beide bald in einer Reihe verschiedener Auflagen in der Nation ver-breitet, commentirt und geprüft wurden, so daß in heutiger Zeit einer rings um uns herverbreiteten Preßfreiheit und bei der Anerkennung ihrer Nothwendigkeit nicht einmal einegleiche Publicität stattfinden würde.
Der Hippolytus a Lapide bespricht nicht blos überhaupt alle Gebrechen derdeutschen Verfassung, die Fehler und den »«patriotischen Sinn, die selbstsüchtige, vater-landsverderbliche Handlungsweise der Reichsstände und die ihm nothwendig scheinendenReformen. Er sucht die monarchischen Rechte des Kaisers zu zerstören und deckt mit be-sonderer Bitterkeit und wirklicher Leidenschaftlichkeit und Uebertreibung alle verkehrten unddem deutschen Vaterlande verderblichen Maßregeln Oesterreichs zu Gunsten seiner beson-deren Haus- und Hofinteressen und vorzüglich die des Kaisers Ferdinand's ll. auf.Dieser Kaiser und die Jesuiten und ihre Maßregeln hatten vorzüglich viele Abneigung er-regt. Hippolytus geht so weit, geradezu den revolutionären Vorschlag der Aus-rottung des ganzen Hauses und der Eonfiscation seiner Besitzungen zu machen. Als eineHauptbedingung eines verbesserten Zustandes fordert er hierzu auf (III. 2): „Omnium»rinn in (lefuncti t^rsnni (sterdinsndi II.) liberos se totsm istsm ismilisw imperini>N8tra svitseyns iibertsti exitiossm, niilligno gunm sibi üdsm, dommn, inczusm,^ustriscsm convertuntnr: ills prout de republics nnstra merita est Oernnini» in totumpellitor: ditiones eziis, ggiss smplissimss imperii beneücio consecuta est et subimperin passidet, in liscum rediAnntor. 8i enim verum est, guod iVlsccbiaveilusscripsit: esse in singulis rebus ziublicis tsmiliss istsle», guae esrum exitio nsscuntur:Iiaee certe skunüia Oermaniss nostrse kutslis est, c^use sl> exiguis nrta initiis eo zirn-gressn est pntentiss, ut tati imperin knrmidulnsn, imma exitioss existnt." Dabeitritt er den unmittelbaren Planen des kaiserlichen Hofes, insbesondere der Annahme desPrager Friedens und seiner Vorschläge, entgegen und er vereitelte sie wirklich.
Pufendorf in seinem Werk, das er als Professor in Heidelberg schrieb, ist nichtso ungemessen und leidenschaftlich, sonst aber in Enthüllung der wahren Gebrechen dervaterländischen Verfassung, die er geradezu als ein Monstrum bezeichnet, der großenFehler und der selbstsüchtigen unpatriotischen Gesinnungen des Kaiserhauses und derReichsstände wie in den Vorschlägen von Heilmitteln und Verfassungsveränderungenvöllig unumwunden. „Zugleich streuete er" — nach Pütter's Worten — „überallsatyrische Züge ein, die zum Theil selbst für den kaiserlichen Hof und das Haus Oester-reich, zum Theil auch für Kurmain; und alle geistlichen Reichsstände wie auch für dieReichsritterschaft beleidigend gefunden wurden."
Bei dem Allen verhinderte keine Reichscensur oder Reichspolizei di« allgemein« Ver-breitung und Beachtung solcher Werke. Freilich der Hippolytus a Lapide erschienzuerst ohne Angabe eines Druckorts, später mit dem falschen Druckort Freistadt, undwurde in Oesterreich bei seiner Erscheinung verboten und verbrannt, aber, wie Pütterbemerkt, dadurch nur die Ausbreitung noch mehr befördert. Er erschien auch bald inneuer Auflage. Ja im J. 1661, ob gleich selbst noch damals die lateinische Sprachewenig Hinderniß für eine allgemeine Verbreitung begründete, so erschien doch der Hip-polytus zu Mainz und Coblenz in einer deutschen Uebersetzung von I. H. v.