8 Hexen, Hexenprocesse.
in die damaligen französischen Zustande werfen. Der unglückliche Gr andrer, einGeistlicher, wurde beschuldigt, die Ursulinerinnen zu Loudün behext und dem Teufelzugeführt zu haben, und als er leugnete, auf die Folterbank gelegt. Die Beine des Ange-schuldigten wurden zwischen zwei Meter gepackt, welche man mit einem Seile so fest alsmöglich zusammenschnürte. Zwischen die Beine und die Breter wurden alsdann Keile miteinem Hammer eingetrieben. Als dem Untersuchungsrichter die Keile zu schwach schienen,bedrohete er den Scharfrichter, wenn er nicht stärkere herbeibringe, und beruhigte sichnicht eher, als bis dieser mit einem Eide bekräftigte, daß er keine anderen habe. EinigePfaffen, welche die Folterwerkzeuge exorcisirt hatten, klagten die Milde des Scharfrich-ters an; behauptend, einem Ungeweihten, wie diesem, könne der Teufel leicht widerste-hen, ergriffen sie selbst den Hammer und schlugen auf die Keile. Die Schmerzen beraub-ten das Opfer einige Male der Besinnung. Verdoppelte Schlage rissen es wieder zur Be-sinnung zurück. Neue Keile wurden eingetriebm, bis die Beine des Unglücklichen zer-schmettert waren und das Mark aus ihnen floß. Darauf wurde er zum Richtplatze ge-schleppt und lebendig verbrannt. Er wurde beschuldigt, folgenden Pack mit dem Teufelgemacht zu haben: „Mein Herr und Meister Lucifer! Ich erkenne dich für. meinen Gottund verspreche dir, so lange ich lebe, zu dienen. Ich entsage Gott, Jesu Christo und allenHeiligen, der römisch-apostolischen Kirche und allen ihren Sacramenten, dem Gebete undallen Fürbitten für mich und verspreche dir, so viel mir möglich ist, Böses zu thun undwen ich nur immer kann zum Bösen zu verführen. Ich thue Verzicht auf alle VerdiensteChristi und seiner Heiligen und übergebe ganz mein Lebendeiner Willkür, im Falle ichunterlassen sollte, dir zu dienen, dich anzubeten und dir täglich dreimal zu opfern." Die-ser Pact wurde mit dem Beisatze bekannt gemacht: „Das Original ist in der Hölle, ineinem Winkel der Erde, inLucifer's Cabinet, unterschrieben mit des Zauberers Blute ic.".
Bekanntlich wurde die Jungfrau von Orleans als Verbündete des Teufels und Hexezu Rouen verbrannt.
Um einen Blick nach Italien zu werfen, so wurden in dem einzigen Jahre 1485zu Como nicht weniger als 41 Hexen verbrannt.
Von den schwebischen Hexenprocessen ist jener zu Mora vom I. 1670 beson-ders denkwürdig. (S. Horst, Zauberbibliothek Th. 1. S. 212 flg.)
Schon früh gab es einzelne, mehr oder weniger muthvoll hervortretende Bekämpf«des Glaubens an Hexenwesen. Bereits zu Anfang des sechszehnten Jahrhunderts zog einZeitgenosse des Reformators, der Jurist Johannes de Ponzinibus, die Möglich-keit eines Bundes mit dem Satan in Zweifel. Weiter ging bald darauf JohannWerus, Leibarzt des gleichgesinnten Herzogs Wilhelm von Jülich und Cleve,welcher dem Wahne kühn entgegentrat. „Ich dachte", sprach dieser über seiner Zeit ste-hende Denker, „daß, weil doch die mehrsten, ja sämmtliche Gottesgelehrten den Unglau-ben (der Hexerei) so gelten lassen, weil doch die Aerzte die falschen Gründe von dem Ur-sprünge und von der sinnlosen Heilart der Krankheiten so dulden mögen, und weil doch dieRechtsgelehrten nach verjährten, zwar ohne Widerspruch angenommenen, aber gewiß nichtauf geprüften Grundsätzen beruhenden Gesetzen noch immer in dieser Sache fortsprechen,und endlich, weil denn doch kein Mensch die bereits brandige Wunde heilen und für den sosehr begangenen Irrweg einen rettenden Leitfaden hinreichen will, es, so schwach auch meineStimme sein mag, sich der Mühe verlohnen werde, die Wahrheit laut zu sagen und durchnähere Prüfung des Vorurtheiles die verletzte Ehre der Christenlehre muthig zu vertheidi-gen." Eine Unzahl von Gegnern, worunter auch Aerzte, siel über ihn her und beschul-digte ihn, den Schüler Agrippa's, der Theilnahme an dessen Zauberkünsten. Einer derGegner, G oehausen (der besonders erfinderisch war im Vorschlägen von Mitteln, dieAngeichuldigten zum Geständnisse zu bringen, und z. B. vorschlug, sie gewaltsam vomSchlafe abzuhalten), suchte zu beweisen, daß der Teufel selbst die Maske eines Predigersgegen das Hexenwesen angenommen habe. Indessen fand die Stimme des muthigenKämpfers Widerhall in einigen Zeitgenossen, besonders in dem Heidelberger ProfessorHermann Wittekind, der unter dem Namen Augustin Buchheimer zurKampfwaffe der Feder griff, und in dem Jesuiten Tanner, der Vorläufer des Jesuiten