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Hexe«, Hexevproceffe.
gerinnen als Mitschuldige angaben. Gegen diese fuhr man, so wie sie keine genügendenGeständnisse ablegten, sogleich mit der Tortur vor. Die Werkzeuge dazu schaffte man zumTheile jetzt erst an, namentlich auch einen Hexenstuhl nach dem Muster des Ortenbergers.Oft wurde die Tortur viermal bis sechsmal angewendet und dadurch beinahe immer einGeständniß erpreßt. Widerrief Jemand, so begann sie aufs Neue, und geistliche undweltliche Beamte gaben sich alle Mühe, zur Zurücknahme des Widerrufes zu bewegen.Die Uctheile wurden immer den dritten oder vierten Tag vollzogen, und diePcocesse dauerten höchstens zwei bis drei Wochen." Der Kandel war der Blocksbergdes Breisgaues.
Noch im Jahre 1754, also in der zweiten Halste des sogenannten philosophischenJahrhunderts, wurde in Baiern ein Mädchen von 13 Jahren als Hexe mit dem Schwertehingerichtet, und zwei Jahre spater wurde dort in Landshut ein vierzehnjähriges Mäd-chen, weil es mit dem Teufel Umgang gepflogen, Menschen behext und Wetter gemachthabe, enthauptet.
Als im Jahre 1766 der Theatinermönch und Professor Sterzinger seine vonihm als Mitglieds der baierischen Akademie der Wissenschaften zu München gehalteneRede „von dem gemeinen Vorurtheile der wirkenden und thätigen Hexerei" drucken ließ,erhoben sich gegen ihn sogleich zwei Mönche, der Augustiner Agnellus März und derBenedictiner Angelus März, und vertheidigten gegen ihn die nach ihnen auf dem Bo-den der Kirche erbauet« Lehre, unter Verdächtigung ihres Gegners, wider den sich dannnoch andere Pfaffen erklärten. (S. Schröckh, Christliche Kirchengeschichte seit derReformation, Band Vll. Seite 328 ff.)
Das letzte Opfer des Wahns fiel in dem reformicten Theile des Cantons Glarusim Jahr 17d2, in einer Zeit, wo dort, wie Zschokke (s. d. Art. G larus) hervor-hebt, die Einwohner in Rohheit und Unwissenheit versunken waren, weil die Herrschen-den sich in ihrer Selbstsucht hüteten, Bildung und Unterricht zu begünstigen. Eine Magd,welche beschuldigt wurde, das Kind ihrer Dienstherrschaft behext und „durch außerordent-liche und unbegreifliche Kunstkraft" (wie sich das Strafurtheil ausdrückl) enthext zu haben,wurde, nachdem sie durch die Folter zum Geständnisse gebracht worden war, durch dasSchwert hingerichtet. (S. Schlözer's Staatsanzeigen Band H. S. 273 bis 277.„Abermaliger Justizmord in der Schweiz 1782.") ,
Denkwürdig ist, daß im goldenen Zeitalter der Herenprocesse hier und da Inquisito-ren auf „Sporteln" angewiesen waren. „In einigen Gegenden", sagt der große ArztPeter Frank in seinem großen Werke über Medicmalpolizei, „hatten die Inquisito-ren keinen anderen Gehalt als auf jeden Kopf einer Hexe z. B. vier oder fünf Thaler. Dawar nun nicht lange zu spaßen, wenn man als ein wahrer Inquisitor ehrlich leben wollte, undman mußte darauf bedacht sein, sich in seiner Jugend ein Vermögen zu erbrennen, daßman im Aller davon leben könnre, als wozu dann die lieben Theologen aller Orten mitHänden klatschten, feurige Ermahnungen ertheilten und ihr Scheitchen Holz mit all' mög-licher christlicher Liebe beitrugen."
So wie in Deutschland , so wüthete, jedoch nicht in gleichem Grade, auch in ande-ren Ländern Europas, in Spanien, Frankreich, den Niederlanden (der großeHexenproceß in Arras), England u. s. w. der unheilvolle Wahn. In Frankreich gabder gelehrte vr. Bo bin ein eigenes Werk heraus, um die Wirklichkeit des Hexenwesensdarzuthun. Melville' s Memoiren berichten uns über die Hexenherrschaft inSchott -land, welche auch aus der Tragödie Macbeth des großen englischen Dichters hervorleuch-tet. Nicolaus Remy rühmte sich in seinem im Jahre 1697 erschienenen Werke„I)e vaemonolstriu", daß er gesehen,'wie im Herzogthume Lothringen infünfzehn Jahren neunhundert Menschen wegen Zauberei zum Scheiterhaufen geführt wor-den wären.
Ein höchst denkwürdiger Rechtsfall, welchen uns Pitaval mitgetheilt hat (s.Merkwürdige Rechtsfälle als ein Beitrag zur Geschichte der Menschheit. Nach dem fran-zösischen Werke des Pitaval von Sch iller Theil l. Jena 1792, S. 1—213. „DieBesessenen zu Loudün oder die Geschichte des Urban Grandier"), läßt einen tiefen Blick