6 Hexen, Hexenproceffe.
zugehe, daß solche Zauberinnen nicht untergingen, so erschienen ihm doch ihre verübtenGaukeleien übernatürlich; es gäbe noch manche Geheimnisse, wie die Wirkungen desMagnets, die er Gott anheimstelle." Indem Rommelin einer Anmerkung noch sagt:Camerarius, der den Landgrafen warnte, sein Land vordem Greuel der Hexenver-brennung zu bewahren, führte ihm das Beispiel einer unschuldigen, durch grausame Tor-tur zu einem falschen Geständnisse gebrachten und in Ellwangen Hingerichteten Frau an,deren einziger Sohn, dem Spiele und Trünke ergeben, von ihr ausgesagt hatte, „der Teu-fel habe ihr Geld gebracht", fügt er hinzu: „Als im Jahre 1596 zu Cassel eine Frau, derZauberei beschuldigt, mit einem Pelze angethan, freiwillig in die Fulda sprang und allerihrer Bemühungen ungeachtet nicht unterging, ward sie mit dem Schwerte hingerichtet."
Im Jahre 1486 wurde in Frankfurt am Main ein Gaukler, der sein Glück auf denMessen versuchte, als der Hexerei schuldig, in den Main geworfen (Kirchner, Ge-schichte der Stadt Frankfurt, Theil I. Frankfurt 1807. S. 504).
In den Jahren 1627—1629 wurden zu Würzburg 157 Personen, worunter Kin-der von 10—12 Jahren, zum Scheiterhaufen geführt, und ein volles Jahrhundert später,im Jahre 1729, wurde dieRenataSängerin, Subpriorin des Klosters Unterzelle beiWürzburg, noch lebendig verbrannt, nachdem man es ihr beigebracht hatte, zu beken-nen, daß sie vom Teufel besessen sei.
In den letzten zehn Jahren des 16. Jahrhunderts wurden im Braunschweigi-schen oft an einem Tage zehn bis 12 Unglückliche verbrannt, so daß, wie eine Chronikberichtet, die Richtstätte von den Brandpfählen anzusehen war wie ein kleiner Wald.
Im sechszehnten Jahrhundert ließ in Holstein ein Christoph von Rantzauauf einmal achtzehn Hexen auf einem seiner Güter verbrennen.
Zu den Gegenden von Deutschland, in welchen die Flamme der Scheiterhaufen fort-während die Nacht der Geister beleuchtete, gehört besonders Baie rn. Ein Beispiel alsDocument. In den Jahren 1589—92 war in der damals freisinqischen GrafschaftWardensels ein Hexenprvceß anbängig, der damit endigte, daß auf 7 Malesizrechts-tägen 48 Weiber nach den grausamsten, Geständnisse erpressenden Torturen zum Feuer-tods verurtheilt und theils lebendig, theilsnach vorausgegangener Erwürgung verbrannt wur-den. Wäre die Untersuchung mit dem Eifer sortgeführt worden, mit dem sie begonnen ward,so würden, wie der Untersuchungsrichter in seinem Berichte vom 15. Jan. 1592 sehr unbe-fangen bemerkt, in der ganzen Grafschaft wenige Weiber der Tortur und der Verbrennungentgangen sein. Die Herenproceßacten bezeugen vielfältig, daß die Peiniger sich im Ange-sichte ihrer Schlachtopfer Nichts abgehen ließen. Ein besonderes Heft dieses Ungeheuer-processes im zwiefachen Sinne hat die Aufschrift: „Hierin lauter Erpensregister, was ver-fressen und versoffen worden, als die Weiber zu Wardenfels im Schlosse in Verhaft ge-legen und hernach als Hexen verbrennt worden." Hormayr, welchem wir diese Mit-theilung (S. 332 des Jahrganges 1831 seines Taschenbuchs für die vaterländische Ge-schichte) verdanken, fügt noch hinzu: „Wie weit dieser Wahnsinn überhaupt in Baierngegangen sei, mögen auch die Consilia des berühmten Jngolstädter Lehrers Eberhardbewähren, da sogar fürstliche und herzogliche Personen als Zauberer und Hexen verdächtigtwurden, und die Frage wegen ihrer Verhaftung, Tortur und Hinrichtung sehr ernsthaft'berathen ward. Das war die Bildung, die ein zweihundertjähriger Jesuitenunterricht denGesetzgebern, den Rechtskundigen und Führern des Volks, die er den Gelehrten BaiernSvaccinirt hatte."
Darüber, wie der Wahn im südwestlichen Theile von Deutschland seiner Beute sichbemächtigte, giebt uns vr. H. Schreiber in seinem Schriftchen: „Die Hexenprocesse zuFreiburg im Breisgau, Offenburg in der Ortenau und Bräunlingen auf dem Schwarz-walde" (Freiburg, 1837) Kunde. So berichtet er z. B. S. 17: „Von den Hexenbrän-den zu Offenburg, welche ihrer großen Anzahl wegen hier vorangestellt zu werden verdienen,stehen dem Verfasser — nicht sowohl ausführliche Protokolle, als genaue Uebersichten ausden Rathsbüchern dieser Stadt zu Gebote. Es zeigt sich daraus, daß die eigentliche Ver-folgung der Hexen im Jahre 1627 ihren Anfang nahm, und zwar von der Zeit an, alsman zu Ortenberg im Oktober dieses Jahres Hexen verbrannte, welche mehrere Offenbur-