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6 (1847) [Gla - Hes]
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Hesse«-Homburg.

zu entweichen, wurde sogleich aber wieder eingebracht und nun um so schärfer bewacht.Dennoch gelang es ihm und Scilling, in einer und derselben Nacht zu entweichen, wasohne Theilnahme der Wachposten vor den Thüren kaum denkbar war. Drei Mann wur-den daher verhaftet und in Untersuchung genommen; der Verdacht blieb auf dem Solda-ten Biermann, der zu drei Jahren Festungsarrest verurtheilt, nach einem halben Jahreaber durch die Gnade des Landgrafen freigelassen wurde. Auch die gleichzeitig mit Brei-denstein und Scilling verhafteten Militärs entflohen aus ihren Gefängnissen, vr. Brei-denstein, über dessen ihm gemachte politische Anschuldigungen die in Würtemberg und demGroßberzogthum Hessen erschienenen amtlichen Veröffentlichungen Auskunft geben, gingnach Nordamerika und starb dort. VonWichtigkeit war es, daß am 20. Febr. 1835 dieLandgrafschaft Hessen-Homburg, welche schon hinsichtlich des Oberamts Meisenheim am31. Dec. 1829 zum preußisch-hessischen Zollvereine getreten war, nun auch hinsichtlichdes Amts Homburg dem deutschen Zollvereine und dem großh. hessischen Zollsysteme ins-besondere beitrat, wodurch ihre Theilnahme an den späteren Staatsverträgen, z. B. imJahr 1838 mit Hannover, Braunschweig und Oldenburg wegen Unterdrückung desSchleichhandels und Beförderung der gegenseitigen Verkehrsverhältnisse, so wie in denJahren 1840 und 1841 der erneuerte Anschluß des Oberamtes Meisenheim an das preu-ßische Zoll- und indirecte Steuer-System, und die Erneuerung des Zollvertrags hinsicht-lich des Amtes Homburg mit Preußen, Baiern u. s. w. bedingt war. Durch den An-schluß an den Zollverein wurde allerdings die Strumpfweberei, die insbesondere in derStadt Homburg früher ein bedeutender Gewerbszweig war, gedrückt- Einen Ersatz da-für lieferten der Stadt ihre Soolquellen, welche eine Viertelstunde davon in einem Wie-senthale entspringen und bis vor ungefähr 100 Jahren Kochsalz lieferten. Eine neueglänzendere Periode begann »n Jahr 1833, wo der Hofapotheker Thuquet in HomburgSoolbäder c irmäßig brauchen ließ Fünf dieser kohlensäurehaltigen salinischen Quellendienen jetzt theils zu diätetischen, theils zu therapeutischen Zwecken. Auch werden jährlichmehr als 300,000 Krüge der verschiedenen Wasser ins Ausland versandt. Seil 1841, also dem nehmlichen Jahre, da die oben erwähnte Concession an die Gebrüder Blancauf dreißig Jahre ertheilt ward ging auch das ganze Etablissement mit Jagd-, Fischerei-und Spiel-Berechtigung auf die nehmliche Zeit im Pacht an sie über. Ein großesprächtiges Curhaus, eines der ersten in ganz Deutschland, wurde seit jener Zeit vonihnen erbaut.

Vor einigen Jahren machte ein Vorfall viel Spectakel, der zwischen Homburg vorder Höhe und Frankfurt a. M. auf der Landstraße sich ereignete und den manche öffent-liche Blätter sich nicht schämten als loyale Demonstration öffentlich zu preisen. Es wa-ren nehmlich in Homburg Gerüchtein Umlauf gekommen, über dem designirten Erb-folger drohende Lebensgefahr, und man hatte eine Kammerfrau im Schlosse als verdäch-tig solcher Absichten bezeichnet. In Folge vorgenommener Zimmervisitation soll manauch, ich glaube gar, einen Dolch bei ihr vorgefunden haben. Das Frauenzimmer war'im Gefolge des damals regierenden Landgrafen Philipp und dessen Gemahlin abwesendin Frankfurt a. M.; also lagerte sich die erbitterte Volksmenge an die Straße und erwar-tete hier die Rückkunft. Die Wagen kamen, das Volk stürzte darüber her, die Unglück-liche wurde aus dem Wagen gerissen, an den Haaren geschleift, mishandelt. Mil Müheentzog sie der Landgraf den Händen der aufgeregten rohen Masse. Die Person wurde insGesängniß gebracht, aber bald nachher entlassen.

Es war bis 1839 Regierungssystem, keine Buchdruckerei im Lande aufkommen zulassen, was dem nun verstorbenen Hosbuchhändler Leske in Darmstadt, der einmal einesolche in Homburg anzulegen beabsichtigte, vom damals regierenden Landgrafen selbsteröffnet wurde. DasLandgräfiich Hessische Amts- und Jntelligenzblatt (gegründet 1818)erschien mit dem OrtsnamenHomburg vor der Höhe", aber beim Hofbuchdrucker PH.Fr. Sauerländer «en. in Frankfurt a. M. gedruckt, bis am 1. Januar 1842 ein Regie-rungsblatt für die ganze Landgrafschast gegründet und für ein jedes Amt die Herausgabeeines besondern Amts- und Jntelligenzblatts angeordnet wurde.