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Doch unvergessen b lieb der ruhmreiche Bluttag vonNäfels. Schon im folgendenJahre nach demselben (2. April 1389) ward angeordnet, je am zweiten Donnerstage desAprilmonats solle auf den Rautifeldem eine fromme Kreuzfahrt abgchalten werden, und jeder „vornehmste gesunde Mann aus jeglichem Hause im Lande" dabei erscheinen, zum Ge-bete für die Seelen der gefallenen Helden und zur ewigen Erinnerung dessen, was für dieFreiheit des Vaterlandes geopfert werden müsse. Diese sogenannte „Näfelserfahrt" wirdnoch bis zu unseren Tagen gefeiert.
Einfach, wie die Lebensweise des Gebirgsvolkes, war auch die neue Einrichtung ihrerbürgerlichen Verhältnisse. Sie ging ungekünstelt aus den Zuständen hervor, die sich vorZeiten mit dem allmaligen Zuwachse der Bevölkerung entwickelt hatten, nur mit dem Unter-schiede, daß es keine Leibeigenen und keinen Adel mehr gab- Alle nannten sich freieLandleute. Die Abkömmlinge altedler Geschlechter mochten sich ungehindert ihrer eitelnTitel, aber keines Vorrechtes erfreuen. Ein oder einige Dörfer und an den Bergen zer-stceuete Wohnungen und Höfe wählten, wie ihre Pfarrer und Lehrer, so auch ihre gemein-same weltliche Obrigkeit und an deren Spitze den Amtmann. Solch ein örtlicher Vereinward ein „Tagw en" geheißen. Der ganze Canlon zählte 15 Tagwen oder Landbezirke,die ihre Alpen, Wälder und Almenden selber verwalteten und ihre Frevler straften. Die„Tagwenmänner" jedes Bezirks erwählten aus ihrer Mitte vier Abgeordnete in den gemei-nen Landrath, der die öffentlichen Angelegenheiten des ganzen Cantons besorgte und dessenEinkünfte verwaltete. In außerordentlichen Fällen konnte auch jedes Mitglied des Rathseinen Mann von Erfahrung und Einsicht aus seinem Tagwen mitbringen, so daß der Land-rath doppelt oder dreifach wurde. Ein Landammann und sein Statthalter, ein Pannerherrund gemeiner Landesseckelmeister nebst einigen anderen Beamten standen an der Spitzeder Geschäfte und wurden als Häupter des Landes geehrt. Aber die höchste Gewalt behieltsich das freie Volk unmittelbar selbst vor, die Obrigkeiten zu wählen, Gesetze und Auflagenzu genehmigen oder zu verwerfen, über Krieg und Frieden, Bündnisse und eidsgenössischeAngelegenheiten zu entscheiden. Dazu trat es alljährlich in einer, .Landesgemeine" un-ter freiem Himmel zusammen, wo dann jeder Landmann, vom sechzehnten Altersjahre an,Stimmrecht übte. So bestand hier, wie in den übrigen kleinen Alpenstaaten des Schwei-zerlandes, die reinste Demokratie auf der Grundlage staatsbürgerlicher Rechtsgleichheit.
Diese Verfassung ward seitdem nur zweimal unter dem Einflüsse verschiedener Jahr-hunderte erschüttert und verwandelt; einmal zur Zeit der großen Kirchentrennung, das an-dere Mal in unseren Tagen.
Niemand weiß, wohin ein lichtvoller Gedanke, den die Zcitgenossenschaft verspottet,die Schicksale der nachkommenden Geschlechter führt, oder welche Umwälzungen der Reicheund Welttheile eine einzige Erfindung bewirkt, die bedeutungslos in ihrer Kindheit dasteht,späterhin mit Riesenkraft Unglaubliches vollendet.
Das Wiedererwachen der Kunst und Wissenschaft unter dem Zauberspruche höhererGeister des 14. und 15.Jahrhunderts, dann G Uten berg's Erfindung, vermittelst seinesWerkzeugs die großen Ideen des Alterthums wie der jüngsten Zeit plötzlich über Völker undLänder auszustreuen, konnte so wenig ohne ungeheuere Nachwirkungen bleiben, alsIamesW att's glückliche Benutzung der Dampfkraft es für die Nachwelt bleiben wird.
Im Hauptorte des armenHirtenthales zu Glarus lebte zehn Jahre lang (von 1506bis 1516) der biedere und weise Huldreich Zwingli als Pfarrer. Er sah die durchinländische und ausländische Kriege vermehrte Verwilderung und Entsittlichung des Volkes,die Bildungslosigkeit von dessen Vorstehern, den Leichtsinn und die Unwissenheit der mei-sten Geistlichen, den Verfall der Religion in Wortheiligkeit und Aberglauben. Er ver-suchte Besseres hervorzucufen. Er stiftete eine Lateinschule. Er wählte zur Erkenntniß-quelle des christlichen Glaubens die Worte des göttlichen Urhebers desselben und seinerJünger. Er verband mit sich die edleren und gebildeteren Amtsgenossen, und in ihrerGemeinschaft machte er jenen Menschensatzungen den Krieg, welche aus Eoncilien barba-rischer Zeitalter und aus hierarchischen Bestrebungen Roms hervorgegangen waren. DieReinheit seines Wandels erhöhet« den Eindruck seiner Wahrheiten auf den gesunden Men-schenverstand des Volkes. Auch als er nach zehn Jahren sein Lehramt niederlegte, um es