Moralphilosophie, zy
die nöthigen Arzneien, opfere ein Glied deines Leibesauf, wenn du dadurch den Körper erhalten kannst.
Nur die Pflicht der Erhaltung deiner Würde gehtder Pflicht der Lebenserhaltung vor. Daher sey nichtfeige, vertheidige dein Leben gegen Gewalt. Scheue. keine Lebensgefahr, wenn du andere retten kannst,
^ oder wenn die Vertheidigung des Vaterlandes diesesj erfordert. Wenn du einen andern unschuldigen Men-^ schen umbringen müßtest, um dein Leben zu erhalten,
^ so sterbe lieber selbst: (ausser wenn du ein Recht hast,ihn zu tödten, wie im Kriege). Im Kriege sey mensch-^ lich, opfere nicht mehrere Menschen auf, als nöthigist. Wenn du entweder Böses thun oder sterben sollst,so wähle das letztere. In diesen Aeusserungen zeigtsich der ächte Hcldenmuth und das wahre Ehrgefühl.
Viele Selbstmörder nehmen sich aus Feigheit undLebensüberdruß das Leben. Ihr Betragen kann keinallgemeingültiges Gesetz abgeben, und ist folglich un-recht. (Aber Selbstmörder aus Schwermuth handelnnicht frei, und ihre That kann ihnen nicht zugerechnetwerden.) — Das Leben anderer zu zerstöhren, ohneein Recht dazu zu haben; oder durch Verletzung derWahrheit, (Wortbrückigkcit) sein Leben zu erhalten,
^ ist sündlich. Auch Tollkühnheit, Uebernehmung un-nölhiger Gefahren, falsches Ehrgefühl, wodurch daSLeben aufs Spiel gesetzt wird (wie bey Duellen), Gleich-s gültigkeit gegen das Leben, Verkürzung desselben durchAffekte, Ausschweifungen, jede Überspannung kör-perlicher und geistiger Kräfte, Vernachlässigung derErhaltungsmiktel, z.B. in Krankheiten sind unrecht.
! Diese und ähnliche Versündigungen entspringen^ theils aus zu großer Werthschätzung des Lebens, zu