Druckschrift 
Ueber Freiheit und Nothwendigkeit aus dem Standpunct christlich-theistischer Weltansicht : eine philosophisch-theologische Untersuchung
Entstehung
Seite
17
Einzelbild herunterladen
 

könnte er überhaupt schlechthin als Grund nur gelten,wenn er nicht genügend und theoretisch wäre? Odergründet er sich etwa, in welchem Falle denn aber auchin keiner Hinsicht etwas auf ihn zu geben wäre, bloß aufSubjectivität? Es scheint doch wirklich nicht zu vielmetaphysische Schärfe und Ehrlichkeit dazu zu gehören, umeinzuschn und einzugestehn, daß, wenn von einem Sollenfür ein Subject soll die Rede sein können, das Gebot,welches dieses Sollen voraussetzt, nicht ohne daß derganze Begriff des Sollens dadurch aufgehoben wirdin einer Autonomie dieses Subjectes gegründet seinkann, sondern nothwendjg absolute Objectivität für daSSubject als solches haben muß.

Einem so moralisch gesunkenen Menschen übrigens,der gar nicht fühlt, daß er ein Gewissen hat, oder dieWahrheit seiner Stimme zu leugnen sich erdreistet, kannfreilich die Freiheit von dem Begriff der Pflicht oderSchuld aus nicht bewiesen werden. Aber die Bedingungaller Demonstration ist, wie in rein formaler Hinsichteignes Construiren, so in Bezug auf ein materiales Mo-ment freies Anerkennen dessen, wovon sie ausgehn muß, umDemonstration zusein, (womit jedoch übrigens nichtetwa im Widerspruch mit dem Obigen behauptet wird,daß eine solche Voraussetzung nicht selber wieder demon-strativ begründet werden könne). Wer daher das Wortdes Gewissens als Wahrheit leugnet, könnte eben so gutauch die Wahrheit andrer Gründe leugnen, durch welche

2