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Taschenbuch zur Philosophie des Lebens, des Umganges und des Lebensgenusses : zur Bildung der Menschheit, vorzüglich aber der reifern Jugend beyder Geschlechter
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123
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Lob gleicht den Sonnenstrahlen. Mäßig er-theilt, geben sie den Gewächsen Nahrungund Gedeihen; auf einem Punct vereinigt,brennen und tödten sie.

Der Charakter der Person, welche dichlobt, muß in Erwägung gezogen werden,ehe du Werth auf seine Achtung setzest.

Je begieriger du selbst nach Lob bist,desto empfindlicher verwundet der Tadel.Der rechtschaffene Mann bettelt kein Lob,er erschleicht es sich nicht, sondern erwirbtsich den Beyfall._

Lob gewährt dann echte Zufriedenheit,wenn dach was laut gesagt wird, mit derStimme des Gewissens überein kommt, in-dem sie uns zeigt, daß wir uns nicht ver-gebens bemühen, gut zu handeln.

Gewöhnlich lobt man, um gelobt zuwerden. Lobsprüche ablehnen, verräth dasVerlangen zweymahl gelobt zu werden.

Das Lob des großen Haufens ist ge-meiniglich ungegründet, und wird mehreikeln als tugendhaften Menschen zu Lheil.