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Zur Familiengeschichte der Steiner im 17. Jahrhundert
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Frau für die Unannehmlichkeiten des damaligen Pfründnerlebens entschädigt. x ) In den Briefenan seine Kinder spricht er immer mit grosser Hochachtung und Liebe von ihrer zweiten Mutter,die er ein „auserwähltes Kind Gottes" nennt und stets der ganz besondern Fürsorge der Seinigenempfiehlt. In seinem Verhältniss zu den von ihm oft so schwer angeschuldigten ältesten Söhnenist eine gewisse Aenderung zu bemerken. Nicht als ob der Vater sie nicht immer noch als dieallein Schuldigen betrachtete — in dieser Wahnidee verharrt er bis an sein Ende — aber derTon, in welchem er von ihnen spricht, ist etwas ruhiger geworden. Wenn die Kränkungen undMisshandlungen, die Melchior Steiner früher erduldet haben wollte, meistentheils Vorspiegelungenseiner aufgeregten Einbildungskraft gewesen waren, so konnte er sich jetzt in der That unglückliehund elend fühlen. Der Zwang, in einer Gemeinschaft von Kranken und Gebrechlichen leben zumüssen, die wenig humane Behandlung, vielleicht auch eigene Kränklichkeit und Schwäche, drücktenden immer noch regsamen alten Mann schwer darnieder. Aus den Briefen an seine Tochter Rahelbrechen seine Klagen, durch religiöse Betrachtungen gemildert, lebhaft und beweglich hervor. DieMauern des Spitals sind ihm zu eng, seine Briefe werden nach und nach ungeduldiger und gegendas Ende seines Lebens macht sich die Sehnsucht nach der alten Freiheit noch einmal ungestümLuft. — Steiners ältester Sohn 2 ) trug sich in der That eine Zeit lang mit dem Gedanken, vordem Rath zu Zürich um die Lediglassung seines Vaters nachzusuchen und auch Hans Georg 8 )hätte ihm — wie aus einem noch vorhandenen Brief hervorgeht — die Freiheit gerne gegönnt.Der milde Charakter dieses letzteren 4 ), der ohne Zweifel das gerade Widerspiel des heissblütigenVaters gewesen ist, lässt sich überhaupt nicht wohl vereinen mit der Annahme, er habe diesenmit absichtlicher Hartherzigkeit behandelt. Um seine Söhne in solchen ihm günstigen Gesinn-ungen zu bestärken, schlug ihnen der alte Pläneschmied die Erwerbung eines „Privilegiums"vor, das ihnen grossartige Vortheile bringen würde; er allein kenne das Geheimniss und wolle esihnen offenbaren, sobald sie ihm die Freiheit verschafft hätten. Die Söhne scheinen sich aberwieder besonnen zu haben ; sie fürchteten wahrscheinlich, dass die Lediglassung ihres Vaters neueFamilienverwicklungen heraufbeschwören könnte. Hatte doch der alte Salzherr, als er vernahm,dass man besorge, er werde niemals Ruhe halten können, sich mit dem Hinweis auf die Bibel ver-theidigt in den Worten: „Gott hat den Menschen nicht erschaffen, dass er in disser welth rüewig-.sein und alle tag herrlich und in freuden leben soll wie der reiche man Luc. 16 V. 19, dan zudissen hat Abraham V. 25 gesprochen: Gedenk Sohn, das du in deinem leben guetes empfangenhast und Lazarus ebenmässig das bösse. Nun aber wird er getröstet und du wirst gepeinigt undder faulle knecht ist in die eusserste finsterniss da heullen und Zähneklappern geworffen worden.Das ist gewüss dass der Mensch nicht rüewig sein kann und so er nicht guetes thuet so thuet er

bösses"..... In demselben Briefe, welchem die angeführten Worte entnommen sind, beschwört

Steiner seine Frau: die Verwandten, die Geistlichen, ja die ganze Gemeinde für seine Sache auf-zurufen, wenn seine Söhne sich nicht für ihn verwenden wollten. Es sollte seine letzte Appellationsein; denn während er zu seiner Befreiung Alles in Bewegung zu setzen suchte, kam ihm die Er-

') Die Annahme unserer Chronistin, dass Steiner's Frau ebenfalls im Spital gewohnt habe, ist sehr■unwahrscheinlich; schon Steiners Briefe an seine Kinder sprechen dagegen, besonders aber ein noch vorhandenerlanger Brief, den Steiner vom Spital aus an seine Frau gerichtet.

= ) Johannes Steiner; er wurde anno 1701 Schultheiss.

a ) Hans Georg Steiner wurde Schultheiss anno 1721. Sein Bildniss befindet sich auf der Stadtbibliothek.

*) Die Fortsetzung unserer Chronik enthalt in dieser Beziehung bezeichnende Züge.