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vielfältigen Kreuz- und Querfahrten bis ans Ende eine „unabsöndcrliche" Gefährtin blieb. Wieaber Steiners guter Geist in dieser trefflichen Frau verkörpert ist, so erscheint auf der andernSeite sein böser Geist in der Gestalt eines nahen Verwandten, der den reizbaren Mann in beständigerUnruhe zu halten wusste. Es •war dies sein Schwager Keller, der mit Steiner gegen dessen Söhnenach Zürich appelliert hatte; da sie aber beide mit ihren Ansprüchen abgewiesen wurden, soschlössen sie sich immer enger aneinander, in der Hoffnung, doch noch einmal zu ihrem vermeint-lichen Rechte zu kommen. Keller gewann wahrscheinlich einen immer grösseren Einfluss auf denehemaligen Salzherrn, den er beständig gegen seine Angehörigen aufgestachelt zu haben scheintund so kam es, dass jene eine Wohlthat, welche Steiner von diesem Manne angenommen hatte, sichin ihr gerades Gegentheil verkehrte. Winterthur sah sich sogar genöthigt, an dem Rath von Zürichdie Bitte zu richten, er möge den genannten Verwandten Steiners zur Ruhe weisen. Diesen ver-hängnissvollen Einwirkungen von Aussen, welche ihn in seinen eigenen Fehlern bestärkten, ist eszuzuschreiben, dass der alte Mann sich nie ganz in sein Schicksal ergeben wollte. Noch im Jahre.1684 beklagte er sich von Herisau aus in einem „grausamen Lästerschryben" an den Raths-prokurator Ernst in Winterthur über seine Söhne Hans Georg und Melchior und zwei Jahre späterversuchte er sogar, von Büel aus, durch den Landvogt Ringk von Lichtensteig, vermeintlicheAnsprüche seiner Vaterstadt gegenüber geltend zu machen. Dabei wollte er den Rath mit derseltsamen Drohung einschüchtern, er werde, falls man seinem Begehren nicht entspreche, seine„prsetension" an den König von Frankreich verkaufen, woraus dann seinen gnädigen Herren „Leidt,Kummer und schweiss entstehen" könnte. Die zürcherische Regierung, an die sich die Winterthurergewandt hatten, schickte als Antwort einfach eine Abschrift des Eides, den jener im Jahre 1680vor Rath und Bürgers der Stadt Z ü r i c h hatte schwören müssen und fügte die Erklärung hinzu,Steiner sollte von nun als wortbrüchiger Mensch betrachtet werden, der keiner Beachtung mehrwürdig sei.
So weit war es mit dem unglücklichen Mann gekommen. Zu ruhlos, um an einem be-stimmten Orte ein bescheidenes Leben zu führen, zu stolz und zu eigensinnig, um im Frieden mitseinen Kindern zusammen zu wohnen, rieb er sich in einem fruchtlosen Kampfe mit seinem Geschicknach und nach auf, so dass seine endliche Versorgung im Spital zu Zürich nur noch wie dernothwendige Abschluss dieses g03brochenen Daseins erscheint. — In der Darstellung der letztenJahre Steiners tritt nun die subjektive Färbung unserer Chronik besonders deutlich hervor. Sein Lebenim Spital, seinen Tod und die Ueberführung seiner Leiche nach Töss erzählt die Chronistin mit liebe-voller Theilnahme, während das Betragen der Söhne ohne Weiteres verurtheilt wird. Man kann aberden Entschluss der Söhne, ihren Vater in Zürich zu verpfründen, vom Standpunkt der Nothwehraus betrachten und erklären. Ohne Zweifel handelten sie dabei im Einverständniss mit der Re-gierung, der Steiner wahrscheinlich nie viel von seinen Schulden abbezahlt hatte; man sah ebenkeinen andern Weg mehr, den alten Mann, dessen fortwährend aufgeregter Zustand in gewissenDingen hart an die Grenze des Wahnsinns streifte, endlich zur Ruhe zu bringen. Da nun Steinerdas Winterthurer Bürgerrocht seiner Zeit aufgegeben hatte und sich überdies die Verwandten seinerzweiten Frau in Zürich befanden, so lag es nahe, den alternden Mann im Hospital dieser Stadtzu versorgen.
Im Anfang scheint denn auch Melchior Steiner sich in sein Schicksal ziemlich ruhig er-geben zu haben. Da er nicht ohne Beschäftigung leben konnte, so trieb er innerhalb der Mauerndes Hospitals einen kleinen Garnhandel. Daneben unterhielt er einen regen Briefwechsel mit seinerTochter R a h e 1, die stets an ihm gehangen hatte und wurde durch die ausdauernde Liebe seiner