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Zur Familiengeschichte der Steiner im 17. Jahrhundert
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Familiengeschichten kann im Allgemeinen nur ein sehr bedingter historischer Werth zu-gestanden werden. Die Pietät des Chronisten gegenüber seinen Vorfahren, deren Geschichte erfür die Nachkommen niederschreibt, gibt der Darstellung unwillkürlich ein so stark subjektivesGepräge, dass es nicht immer leicht hält, den Kern einer solchen Erzählung aus der legendenhaftenHülle herauszuschälen und oft genug mag das spärliche Resultat der aufgewandten Mühe keines-wegs entsprechen. Auf der andern Seite können aber solche Chroniken durch die naive Lebendigkeitund Wärme ihrer Darstellung für den Mangel an historischer Genauigkeit entschädigen. Wenndazu noch der weitere Umstand tritt, dass im Mittelpunkt einer solchen Familienchronik einePersönlichkeit steht, die in der Geschichte ihrer engern Heimat eine gewisse Rolle gespielt hat,so darf ihre Veröffentlichung im Rahmen eines Neujahrsblattes vielleicht entschuldigt werden.

Zu den Geschlechtern, die für die Entwickelung Winterthur's von Bedeutung gewordensind, gehört insbesondere das der Steiner, welche in der zweiten Hälfte des XVII. Jahrhundertsden Handel und die Industrie der genannten Stadt auf kurze Zeit zu überraschender Höhe ge-bracht haben. In dem kurzen Zeitraum, welchen unsere kleine Chronik umfasst, ist der Salz-herr Melchior Steiner der hervorragendste Repräsentant des Geschlechtes; ein Mann, welcherin einem an äusseren Schicksalswendungen reichen Leben, durch seinen kühnen Unternehmungs-geist und sein leidenschaftliches Temperament, nicht nur seine Familie beständig in Athem gehalten,sondern auch die Räthe von Winterthur und Zürich und selbst die eidgenössischen Tagsatzungenoft genug beschäftigt hat. Dieser Melchior Steiner steht nun auch im Mittelpunkt unserer Chronik,welche von der jüngsten Enkelin desselben, einer Frau Künzli (geborne Blum) anno 1769, alsoetwa hundert Jahre nach den dargestellten Begebenheiten, dem Chronisten Meyer, Pfarrer zuPfungen, in die Feder diktirt worden ist. Den grössern Theil derselben bildet die folgende Erzählung:Vor ungefähr 100 Jahren wäre Melchior Steiner, der älteste Sohn des Hans Steiners 1 )von Zug 2 ) in recht glückselligen Umständen mitten unter seinen 10 Kindern, wohnte beym Grund-stein zu Winterthur und führte den Saltzhandel, den sein Herr Vater Hans Steiner in Winterthurangefangen, glücklich fort; er unternahm auch mit gutem Erfohlg den Weinhandel. Er hattewichtige und grosse Undernehmungen vor sich, tractierte förmlich mit dem Hertzog MaximilianoChurfürst in Bayern 3 ) und Hertzog in Tyrol, bekamm auch zur Ehren-Belohnung eine goldeneEhren-Ketten, 100 Ducaten am Währt. So gross ist aber der Wechsel des Glücks, dass dieserNützliche Bürger nicht nur aller seiner Vortheilen beraubet, sonder auch im Ehlend sein arbeit-sames Leben, wieder seinen Willen unthätig beschliessen müssen; Glück, Kinder und Welt, ja allesverläugnen, damit er auch als ein durch f geübter Christ und Held sterben möchte.

') Ward Schultheiss und wohnte im Steinhof, welches Hauss das Stammhaus der Steueren ist."(Anmerkung der Chronik).

") Hans Steiner war nicht von Zug, wohl aber sein Vater Andreas Steiner, der zur Zeit derReformation jene Stadt verliess; er starb als Herr von Wülflingen im Jahre 15(>5. Mit Bezug auf den NamenSteiner vergleiche man das Nenjahrsblatt der Stadtbibliothek auf 1889 (pag\ 4) von Dr. G. Geilfus.

3 ) Steiners Salzhandel fällt nicht in die Regierungszeit des genannten Kurfürsten, sondern in diejenigedes Kurfürsten Ferdinand Maria (1654—1679).