Diese Leidtragenden wollten nicht wieder nach Zürich kehren: hier aher konnten Sie dieLeich nicht liegen lassen; und weil Sie nicht dorfften seihige nach Wintcrtlmr bringen setzten Sic(die Leich mit sich nach Töss führend) entlich den Sarg hey in ein Baurenhaus, das Ihnen be-kannt war, und der Bäglenen Haus hiesse. Der Jakob brachte sogleich den Bericht nach Winterthur,darauf kamen die 3 älteste Söhne auf Töss, Hessen den Sarg öffnen, und vergossen Thriinen überseinen Leichnam. Die älteste Tochter aber hatte diese 3 älteste Brüder mit harten Worten empfangen,und ihnen ihre Grausamkeit und Gottlosigkeit gegen ihren seligen Vater vorgeworffen, welchebittere verwiess dann Sie auch erstummt und ohne Wiederred anhörten. Eben diese Brüder be-kannten nachgehende bey dieser ältesten Schwöster Tod (da sie nach ihres Ehemannes Ablebenvon Zürich mit ihren Kindern auf Wintcrtlmr zöge und zu Hause beym hinderen Ochsen wärein der Understuben, da ich gegenwärtig den 15 August 17(59 wohne und dieses schreibe, hernachbeym Ritter, darauf beym Leuen und entlieh beyn 3 Blumen wohnete, und da im Beysein aller 5Brüdern starbe), dass sie eine fromme, gottesförchtige, verständige, redliche und aufrichtige Schwöstergewesen; sie habe niemand gefürchtet und jederzeit die Wahrheit unerschrocken rund herausgesagt,welchen Lobspruch dazumahl Frau Tante Künzlin, gebohrne Blumin (eine Tochter der jüngstenSchwöster dieser gedachten Brüdere, und welche mir alle diese anectotes in die Feder dictirt)selbst gehört hatte. Alle obigen Erzellungen hatte sie oflf't und viel von ihrer seligen Mutter undihrem Herrn oncle Obristrichter und von Frau Tante Catherina und von der Jungfer Rahelals ihrer Jungfer Tante angehört und weil sie eine vortrefliche Gedächtnuss besitzt, so dass kaumein V. D. M. heut zu Tag bey uns zu finden ist, der so, wie sie, alle Hauptsprach des alten undneuen Testamentes nicht nur mit Absicht auf die Wort, sondern auch des Capitels und Verses,wo es stehet, wüssc, als hat sie diese; merkwürdigen Sachen als in getreuer Gedächtnuss behaltenund in die Feder dictirt.
Es ist noch zu bemereken, dass die jüngeren Kinder und alle Töchteren des sei. HerrnMelchior Steiners sich alle Mühe gaben, ihren Vater aus dem Spithal loss zu bitten, die Töchterengiengen zu allen Rathsherren in Zürich und hielten flehentlich um seine Freyheit an; mann gabihnen gute Wort, und sagte, es seye billich und recht, dass mann ihnen ihren Vater wieder gebe,und sie wollen ihn gerne losslasscn, wenn die 3 älteren Brüder es begehren und einstimmen wollten.Nachdem aber Herr Melchior im Spithal gestorben, erlaubten die Herren von Zürich, den Leichnamnach Winterthur zu führen ohne Wüssen und Willen der älteren Söhne des Verstorbenen.
Merckwürdig ist auch dieses, dass er nicht nur getrost und heldenmüthig die schmerzhäffteKrankheit der rothen Ruhr ausgestanden, sonder auch an der Seiten seiner theuersten Helme,Hand in Hand gestorben. Er hatte gesagt, er müsse so viel nicht leiden, als man sich's vorstelle;und wenn er gleich mit seinem Heiland müsste ans Kreuz genaglet werden, so sey alles Leidendieser Zeit nicht werth der Herrlichkeiten, die an den Kindern Gottes sollen geoffenbaret werden.Er segnet seine Helfftc und sprach 3 mahl wiederholtet die Wort: Mein liebes Kind, mein liebesKind, mein liebes Kind, truckte ihr die Hand und starb. Also scheidete zwahr der Tod die Cörper,aber nicht die Seelen noch die Hcrtzen. — Der Leichnahm wurde zu Töss begraben, und alleseine Kinder, die Tochter zu Bern allein ausgenommen, begleiteten ihn zu Grab.
Es ist bemerekenswerth, dass des offt gedachten Herrn Melchiors nachältester Herr SohnHans Georg Steiner, nachher Schultheiss, zum Geist, auch von Töss in einer Litiere gefäng-lich nach Zürich ist geführt worden, und als er seines Arrestes in Zürich entlassen ward, ist er aufWinterthur zurückkommen »). Seine jüngste Schwöster erwahrtete ihn mit sehnlicher Begird, und
') Näheros über die Ursachen der Gefangeimelimung des Schultheissen Hans Georg- Steiner findet,sich in Troll'e „Geschichte der Stadt Winterthur", Thl. V.