Druckschrift 
Deutschland und die Deutschen :
(Vortr., gehalten in d. Library of Congress zu Washington im Juni 1945)
Entstehung
Seite
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der Zeit, zu geben versuchte, war ein Stück deutscherSelbstkritik und wahrhaftig, ich hätte deutscherTradition nicht treuer folgen können als eben hiermit.Der Hang zur Selbstkritik, der oft bis zum Selbstekel,zur Selbstverfluchung ging, ist kerndeutsch, und ewigunbegreiflich wird bleiben, wie ein so zur Selbst-erkenntnis angelegtes Volk zugleich den Gedankender Weltherrschaft fassen konnte. Zur Weltherrschaftgehört vor allem Naivität, eine glückliche Beschränkt-heit und sogar Vorsatzlosigkeit, nicht aber ein extre-mes Seelenleben wie das deutsche, worin sich derHochmut mit der Zerknirschung paart. Den Uner-bittlichkeiten, die große Deutsche, Hölderlin, Goethe,Nietzsche, über Deutschland geäußert haben, ist nichtsan die Seite zu stellen, was je ein Franzose, ein Eng-länder, auch ein Amerikaner seinem Volk ins Gesichtgesagt hat. Goethe ging wenigstens in mündlicherUnterhaltung so weit, die deutsche Diaspora herbei-zuwünschen.Verpflanzt, sagte er,und zerstreut wiedie Juden in alle Welt müssen die Deutschen wer-den! Und er fügte hinzu: um die Masse des

Guten, die in ihnen liegt, ganz und zum Heile derNationen zu entwickeln.

Die Masse des Guten sie ist da, und in der her-gebrachten Form des nationalen Staates konnte sie sichnicht erfüllen. Der Zerstreuung über die Welt, dieGoethe seinen Deutschen wünschte, und zu der sienach diesem Kriege wohl eine starke Neigung spüren