werden, wird die Immigrationsgesetzgebung der ande-ren Staaten einen eisernen Riegel vorschieben. Aberbleibt nicht, trotz aller drastischen Abmahnung vonübertriebenen Erwartungen, die uns die Machtpolitikzuteil werden läßt, die Hoffnung bestehen, daßzwangsläufig und notgedrungen nach dieser Kata-strophe die ersten, versuchenden Schritte geschehenwerden in der Richtung auf einen Weltzustand, indem der nationale Individualismus des 19. Jahrhun-derts sich lösen, ja schließlich vergehen wird, undwelcher der im deutschen Wesen beschlossenen „Massedes Guten“ glücklichere Bewährungsmöglichkeitenbieten mag, als der unhaltbar gewordene alte? Eskönnte ja sein, daß die Liquidierung des Nazismusden Weg freigemacht hat zu einer sozialen Welt-reform, die gerade Deutschlands innersten Anlagenund Bedürfnissen die größten Glücksmöglichkeitenbietet. Weltökonomie, die Bedeutungsminderungpolitischer Grenzen, eine gewisse Entpolitisierung desStaatenlebens überhaupt, das Erwachen der Mensch-heit zum Bewußtsein ihrer praktischen Einheit, ihrerstes Ins-Auge-fassen des Weitstaates — wie sollte alldieser über die bürgerliche Demokratie hinausgehendesoziale Humanismus, um den das große Ringen geht,dem deutschen Wesen fremd und zuwider sein? Inseiner Weltscheu war immer soviel Weltverlangen, aufdem Grunde der Einsamkeit, die es böse machte, ist,wer wüßte es nicht! der Wunsch, zu lieben, der
39