die deutsche Musik, insonderheit das Wunder desdeutschen Liedes, etwas national völlig Einmaligesund Unvergleichliches, waren ihre Früchte. Die großeGeschichtstat der deutschen Innerlichkeit war LuthersReformation — wir haben sie eine mächtige Befrei-ungstat genannt, und also war sie doch etwas Gutes.Daß aber der Teufel dabei seine Hand im Spiel hatte,ist offensichtlich. Die Reformation brachte die re-ligiöse Spaltung des Abendlandes, ein ausgemachtesUnglück, und sie brachte für Deutschland den Drei-ßigjährigen Krieg, der es entvölkerte, es verhängnis-voll in der Kultur zurückwarf und durch Unzucht undSeuchen aus dem deutschen Blut wahrscheinlich etwasanderes und Schlechteres gemacht hat, als es im Mittel-alter gewesen sein mag. Erasmus von Rotterdam, derdas „Lob der Torheit“ schrieb, ein skeptischer Huma-nist von wenig Innerlichkeit, sah wohl, wovon dieReformation trächtig war. „Wenn du furchtbare Wirr-nisse in der Welt wirst entstehen sehen“, sagte er,„dann denke daran, daß Erasmus sie vorausgesagthat.“ Aber der gewaltig innerliche Grobian von Wit-tenberg war kein Pazifist; er war voll deutscher Be-jahung tragischen Schicksals und erklärte sich bereit,das Blut, das da fließen würde, „auf seinen Hals zunehmen“. —
Die deutsche Romantik, was ist sie anderes als einAusdruck jener schönsten deutschen Eigenschaft, derdeutschen Innerlichkeit? Viel Sehnsüchtig-Verträum-