Druckschrift 
Deutschland und die Deutschen :
(Vortr., gehalten in d. Library of Congress zu Washington im Juni 1945)
Entstehung
Seite
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ausschlägt, ihnen unter den Händen zu Bösem wird.Nehmen Sie ihren ursprünglichen Universalismus undKosmopolitismus, ihre innere Grenzenlosigkeit, die alsseelisches Zubehör ihres alten übernationalen Reiches,des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation zuverstehen sein mag. Eine höchst positiv zu wertendeAnlage, die aber durch eine Art von dialektischemUmschlag sich ins Böse verkehrte. Die Deutschen lie-ßen sich verführen, auf ihren eingeborenen Kosmopo-litismus den Anspruch auf europäische Hegemonie, jaauf Weltherrschaft zu gründen, wodurch er zu seinemstrikten Gegenteil, zum anmaßlichsten und bedroh-lichsten Nationalismus und Imperialismus wurde. Da-bei merkten sie selbst, daß sie mit dem Nationalismuswieder einmal zu spät kamen, daß dieser sich bereitsüberlebt hatte. Darum setzten sie etwas Moderneresdafür ein: die Rassenparole die sie denn prompt zuungeheuerlichen Missetaten vermocht und sie instiefste Unglück gestürzt hat.

Oder nehmen Sie die vielleicht berühmteste Eigen-schaft der Deutschen, diejenige, die man mit dem sehrschwer übersetzbaren WortInnerlichkeit bezeich-net: Zartheit, der Tiefsinn des Herzens, unweltlicheVersponnenheit, Naturfrömmigkeit, reinster Ernst desGedankens und des Gewissens, kurz alle Wesenszügehoher Lyrik mischen sich darin, und was die Weltdieser deutschen Innerlichkeit verdankt, kann sieselbst heute nicht vergessen: Die deutsche Metaphysik,