macht hat. Freiheit, politisch verstanden, ist vor allemein moralisch-innerpolitischer Begriff. Ein Volk, dasnicht innerlich frei und sich selbst verantwortlich ist,verdient nicht die äußere Freiheit; es kann über Frei-heit nicht mitreden, und wenn es die klangvolle Vo-kabel gebraucht, so gebraucht es sie falsch. Der deut-sche Freiheitsbegriff war immer nur nach außen ge-richtet; er meinte das Recht, deutsch zu sein, nurdeutsch und nichts anderes, nichts darüber hinaus, erwar ein protestierender Begriff selbstzentrierter Ab-wehr gegen alles, was den völkischen Egoismusbedingen und einschränken, ihn zähmen und zumDienst an der Gemeinschaft, zum Menschheitsdienstanhalten wollte. Ein vertrotzter Individualismus nachaußen, im Verhältnis zur Welt, zu Europa, zur Zivili-sation, vertrug er sich im Inneren mit einem befrem-denden Maß von Unfreiheit, Unmündigkeit, dumpferUntertänigkeit. Er war militanter Knechtssinn, undder Nationalsozialismus nun gar übersteigerte diesMißverhältnis von äußerem und innerem Freiheitsbe-dürfnis zu dem Gedanken der Weltversklavung durchein Volk, das zuhause so unfrei war wie das deutsche.
Warum muß immer der deutsche Freiheitsdrang aufinnere Unfreiheit hinauslaufen? Warum mußte erendlich gar zum Attentat auf die Freiheit aller ande-ren, auf die Freiheit selbst werden? Der Grund ist,daß Deutschland nie eine Revolution gehabt und ge-lernt hat, den Begriff der Nation mit dem der Freiheit