Druckschrift 
Deutschland und die Deutschen :
(Vortr., gehalten in d. Library of Congress zu Washington im Juni 1945)
Entstehung
Seite
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handelte. Seine antipolitische Devotheit, dies Produktmusikalisch-deutscher Innerlichkeit und Unweltlich-keit, hat nicht nur für die Jahrhunderte die unterwür-fige Haltung der Deutschen vor den Fürsten und allerstaatlichen Obrigkeit geprägt; sie hat nicht nur dendeutschen Dualismus von kühnster Spekulation undpolitischer Unmündigkeit teils begünstigt und teilsgeschaffen. Sie ist vor allem repräsentativ auf eine mo-numentale und trotzige Weise für das kerndeutscheAuseinanderfallen von nationalem Impuls und demIdeal politischer Freiheit. Denn die Reformation, wiespäter die Erhebung gegen Napoleon, war eine na-tionalistische Freiheitsbewegung.

Lassen Sie uns doch einen Augenblick von der Frei-heit reden: die eigentümliche Verkehrung, die dieserBegriff unter einem so bedeutenden Volk wie demdeutschen gefunden hat und bis zum heutigen Tagefindet, gibt allen Grund zum Nachdenken. Wie wares möglich, daß sogar der nun in Schanden veren-dende Nationalsozialismus sich den Namen einerdeutschen Freiheitsbewegung beilegen konnte,da doch nach allgemeinem Empfinden ein solcherGreuel unmöglich etwas mit Freiheit zu tun habenkann? Es kam in dieser Benennung nicht nur heraus-fordernde Frechheit, es kam eine von Grund aus un-glückselige Konzeption des Freiheitsbegriffes darinzum Ausdruck, ein psychologisches Gesetz, das sich inder deutschen Geschichte immer wieder geltend ge-