bezahlt, — in der politischen, der Sphäre des mensch-lichen Zusammenlebens.
Martin Luther, eine riesenhafte Inkarnation deut-schen Wesens, war außerordentlich musikalisch. Ichliebe ihn nicht, das gestehe ich offen. Das Deutsche inReinkultur, das Separatistisch-Antirömische, Anti-Europäische befremdet und ängstigt mich, auch wennes als evangelische Freiheit und geistliche Emanzipa-tion erscheint, und das spezifisch Lutherische, das Cho-lerisch-Grobianische, das Schimpfen, Speien und Wü-ten, das fürchterlich Robuste, verbunden mit zarterGemütstiefe und dem massivsten Aberglauben anDämonen, Incubi und Kielkröpfe, erregt meine in-stinktive Abneigung. Ich hätte nicht Luthers Tischgastsein mögen, ich hätte mich wahrscheinlich bei ihmwie im trauten Heim eines Ogers gefühlt und binüberzeugt, daß ich mit Leo X., Giovanni de Medici,dem freundlichen Humanisten, den Luther „des Teu-fels Sau, der Babst“ nannte, viel besser ausgekommenwäre. Auch erkenne ich den Gegensatz von Volkskraftund Gesittung, die Antithese von Luther und demfeinen Pedanten Erasmus garnicht als notwendig an.Goethe ist über diesen Gegensatz hinaus und versöhntihn. Er ist die gesittete Voll- und Volkskraft, ur-bane Dämonie, Geist und Blut auf einmal, nämlichKunst. .. Mit ihm hat Deutschland in der mensch-lichen Kultur einen gewaltigen Schritt vorwärts getan— oder sollte ihn getan haben; denn in Wirklichkeit
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