Naheliegendes. Ein einsamer Denker und Forscher,ein Theolog und Philosoph in seiner Klause, der ausVerlangen nach Weltgenuß und Weltherrschaft seineSeele dem Teufel verschreibt, — ist es nicht ganz derrechte Augenblick, Deutschland in diesem Bilde zusehen, heute, wo Deutschland buchstäblich der Teufelholt?
Es ist ein großer Fehler der Sage und des Gedichts,daß sie Faust nicht mit der Musik in Verbindungbringen. Er müßte musikalisch, müßte Musiker sein.Die Musik ist dämonisches Gebiet, — Sören Kierke-gaard, ein großer Christ, hat das am überzeugendstenausgeführt in seinem schmerzlich-enthusiastischen Auf-satz über Mozarts Don Juan. Sie ist christliche Kunstmit negativem Vorzeichen. Sie ist berechnetste Ord-nung und chaosträchtige Wider-Vernunft zugleich, anbeschwörenden, inkantativen Gesten reich, Zahlen-zauber, die der Wirklichkeit fernste und zugleich diepassionierteste der Künste, abstrakt und mystisch. SollFaust der Repräsentant der deutschen Seele sein, somüßte er musikalisch sein; denn abstrakt und mystisch,i. e. musikalisch, ist das Verhältnis des Deutschen zurWelt, — das Verhältnis eines dämonisch angehauchtenProfessors, ungeschickt und dabei von dem hochmü-tigen Bewußtsein bestimmt, der Welt an „Tiefe“ über-legen zu sein.
Worin besteht diese Tiefe? Eben in der Musikalitätder deutschen Seele, dem, was man ihre Innerlichkeit