Stadtbild mit Toren und Wällen, an die humoristisch-makabren Schauer, die von der Totentanz-Malereiin der Marienkirche ausgingen, die winkligen, ver-wunschen anmutenden Gassen, die oft noch nachalten Handwerkszünften, den Glockengießern, denFleischhauern benannt waren, und an die pittoreskenBürgerhäuser. Nein, in der Atmosphäre selbst waretwas hängen geblieben von der Verfassung des Men-schengemütes — sagen wir: in den letzten Jahrzehntendes 15. Jahrhunderts, Hysterie des ausgehenden Mit-telalters, etwas von latenter seelischer Epidemie. Son-derbar zu sagen von einer verständig-nüchternen mo-dernen Handelsstadt, aber man konnte sich denken,daß plötzlich hier eine Kinderzug-Bewegung, einSankt Veitstanz, eine Kreuzwunder-Exzitation mitmystischem Herumziehen des Volkes oder dergleichenausbräche, — kurzum, ein altertümlich-neurotischerUntergrund war spürbar, eine seelische Geheim-disposition, deren Ausdruck die vielen „Originale“waren, die sich in solcher Stadt immer finden, Sonder-linge und harmlos Halb-Geisteskranke, die in ihrenMauern leben und gleichsam wie die alten Baulich-keiten zum Ortsbilde gehören: ein gewisser Typusvon „altem Weib“ mit Triefaugen und Krückstock,im halb spaßhaften Geruch des Hexentums stehend;ein Kleinrentner mit purpurner Warzennase undirgendwelchem Tic nerveux, lächerlichen Gewohn-heiten, einem stereotyp und zwanghaft ausgestoßenen
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