als Deutscher geboren ist. Die kritische Distanzierungdavon sollte nicht als Untreue gedeutet werden. Wahr-heiten, die man über sein Volk zu sagen versucht,können nur das Produkt der Selbstprüfung sein.
Schon bin ich, ohne recht zu wissen, wie, in diekomplexe Welt deutscher Psychologie hineingeglittenmit der Bemerkung über die Vereinigung von Welt-bedürftigkeit und Weltscheu, von Kosmopolitismusund Provinzialismus im deutschen Wesen. Ich glaubedas richtig zu sehen, glaube es von jungauf erfahrenzu haben. Eine Reise etwa aus dem Reich über denBodensee in die Schweiz war eine Fahrt aus demProvinziellen in die Welt, — so sehr es befremdenmag, daß die Schweiz, ein enges Ländchen im Ver-gleich mit dem weiten und mächtigen DeutschenReich und seinen Riesenstädten, als „Welt“ emp-funden werden konnte. Es hatte und hat aber damitseine Richtigkeit: Die Schweiz, neutral, mehrsprachig,französisch beeinflußt, von westlicher Luft durchweht,war tatsächlich, ihres winzigen Formats ungeachtet,weit mehr „Welt“, europäisches Parkett, als der poli-tische Koloß im Norden, wo das Wort „international“längst schon zum Schimpfwort geworden war und eindünkelmütiger Provinzialismus die Atmosphäre ver-dorben und stockig gemacht hatte.
Das war die modern-nationalistische Form deut-scher Weltfremdheit, deutscher Unweltlichkeit, einestiefsinnigen Weltungeschicks, die in früheren Zeiten